EWE-Wasserstoffexperte Ralf Riekenberg, Alexander Dyck, Abteilungsleiter Stadt- und Gebäudetechnologien am DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme, und EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler

EWE-Wasserstoffexperte Ralf Riekenberg, Alexander Dyck, Abteilungsleiter Stadt- und Gebäudetechnologien am DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme, und EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler

Bild: © Gerd Markert

Von Ariane Mohl

EWE hat sein Wasserstoff-Speicherprojekt "HyCAVmobil" an seinem Gasspeicherstandort Rüdersdorf bei Berlin erfolgreich abgeschlossen. Der Oldenburger Versorger hat dort gemeinsam mit Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gezeigt, dass die sichere Einlagerung von Wasserstoff in einem unterirdischen Kavernenspeicher möglich ist. Untersucht wurde zudem der Reinheitsgrad des Wasserstoffs, der vor allem für den Einsatz in der Mobilität wichtig ist. Das Ergebnis: Der Reinheitsgrad verändert sich durch die Kavernenspeicherung nur minimal, wie Projektpartner im Rahmen einer Pressekonferenz erläuterten.

Herausgefunden hat das DLR zudem, dass die Dichtheitsanforderungen an einen Wasserstoffspeicher durch die Fließ-Eigenschaften des Wasserstoffs höher sind als die Anforderungen an Erdgasspeicher. Der Grund: Wasserstoff besteht aus kleineren Molekülen als Erdgas.

Materialien im Härtetest

Durch den Testlauf in Rüdersdorf konnte auch gezeigt werden, wie verschiedene Materialien auf den Wasserstoff reagieren. Ein Beispiel dafür sind Rohrleitungen. Dabei wurden sowohl Einflüsse auf den Stahl dieser Leitungen also auch die mikrobielle Aktivität untersucht.

Obwohl es sich bei der 500-Kubikmeter-Testkaverne gewissermaßen um ein Miniaturexemplar handelt, sollen die Erkenntnisse genutzt werden, um Kavernen mit dem 1000-fachen Volumen für Wasserstoff zu rüsten. Wie EWE-Chef Stefan Dohler erläuterte, verfügt sein Unternehmen aktuell über 37 Salzkavernen, in denen Wasserstoff eingespeichert werden kann.

"Mit dem Nachweis der sicheren Wasserstoffspeicherung sind wir einen großen Schritt in Richtung Klimaschutz und Versorgungssicherheit mit erneuerbaren Energien vorangekommen. Denn mit Hilfe von Wasserstoff wird die Energie aus Sonne und Wind in großen Mengen vor allem für die industrielle Nutzung speicherbar", ist Dohler überzeugt.

EWE setzt weiter auf Wasserstoff

Anders als etwa der Eon-Konzern, der beim Thema Wasserstoff aktuell kräftig zurückrudert und offenbar nicht mehr glaubt, dass hier viel Geld zu verdienen ist, will EWE weiter in seine verschiedenen Wasserstoffprojekte investieren. Man sei ein großer Grünstromproduzent und verfüge über viele für die Wasserstoffspeicherung geeignete Salzkavernen, sagte Dohler auf Nachfrage. Viele EWE-Standorte würden bereits jetzt grünen "Überschussstrom" erzeugen, der abgeregelt wird, aber sinnvollerweise für die Wasserstoffherstellung genutzt werden könne. Insofern sei der EWE-Konzern in einer anderen Situation als Eon.

Für einen Selbstläufer hält Dohler den Wasserstoffhochlauf in Deutschland dennoch nicht – im Gegenteil. Die Politik müsse bei der Wasserstoffspeicherung schnell für bessere Rahmenbedingungen sorgen. Schließlich seien die Vorlaufzeiten vergleichsweise lang. Handlungsbedarf sieht Dohler nicht zuletzt bei der Finanzierung. "Niemand kann in Wasserstoffspeicher von null an komplett wettbewerblich investieren, um den Markthochlauf voranzutreiben", stellt der EWE-Chef klar. Seine Idee: Wie beim Wasserstoff-Kernnetz auch brauche es eine Art Anschubunterstützung. Die Politik müsse nun schnell ihre Wasserstoff-Speicherstrategie verabschieden, in der Kernfragen wie die Ausgestaltung des Marktrahmens und staatlich abgesicherte Finanzierungsmechanismen festgehalten werden müssten.

Unternehmen gehen ins Risiko

Unternehmen wie EWE würden mit der geplanten Umrüstung der Gasspeicherstandorte in Rüdersdorf, Huntorf, Jemgum und Nüttermoor für die Speicherung von Wasserstoff in großem Umfang in Vorleistung und damit ins Risiko gehen. Sobald der regulatorische Rahmen da sei, werde man loslegen, verspricht Dohler. "Wir sind fest davon überzeugt, dass Wasserstoffspeicher in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen werden."  Dennoch brauche man als Unternehmen Investitionssicherheit und auch die Gewissheit, dass frühzeitig geschlossene Verträge nach Vorliegen der neuen Regulatorik nicht in Frage gestellt werden.

Erheblichen Nachbesserungsbedarf sieht Dohler auch an anderer Stelle. Die Kosten für die Erzeugung von grünem Wasserstoff seien immer noch viel zu hoch. Dieser sei aktuell kaum zu bezahlbaren Preisen herstellbar, weil die EU viel zu hohe Hürden für die Herstellung von grünem Wasserstoff errichtet habe. Sinnvoll sei eine Regelung, wo Unternehmen in Zeiten, in denen sehr viel günstiger Grünstrom im Netz ist, Wasserstoff herstellen. "Das wäre die wirtschaftlichste Variante, die zusätzlich auch noch das System entlasten würde." Das sei aber unter dem aktuellen Regulierungsregime nicht möglich. Die Folge: "Das verteuert die Kosten für Wasserstoff um bis zu 90 Prozent", so Dohler. Zusätzlich brauche es für den Hochlauf der Versorgungsseite Anreize, etwa in der Form von grünen Leitmärkten oder Klimaschutzverträgen.

Integration ins Kernnetz

Der Gasspeicherstandort in Rüdersdorf hat laut Dohler jedenfalls gute Chancen, in das Wasserstoff-Kernnetz integriert zu werden. Auch hier will EWE finanziell in Vorleistung gehen. "Wenn der regulatorische Rahmen steht, können wir konkreter werden. Bis dahin wird unsere kleine Wasserstoff-Testkaverne erst einmal nicht weiter betrieben. Allerdings werden wir ab Januar weitere Tests vor Ort durchführen. Beispielsweise wollen wir das Mischungsverhalten von Wasserstoff und Erdgas sowie den Wasserdampfgehalt des Wasserstoffs genauer untersuchen", sagte Ralf Riekenberg vom EWE-Wasserstoff-Team in Rüdersdorf bei dem Pressegespräch. 

Auch am Kavernenstandort in Huntorf in der Wesermarsch will EWE eine Erdgaskaverne für die Speicherung von Wasserstoff umrüsten. Das Huntorfer Projekt ist Teil des Großvorhabens "Clean Hydrogen Coastline", das Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung von grünem Wasserstoff zusammenbringen will.  Aktuell ist EWE in der Detailplanung des IPCEI-Projekts. Wasserstoff soll in den nächsten drei bis vier Jahren eingelagert werden.

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