Jetzt noch Exoten, 2050 Standard? Ein Wasserstoffzug steht abfahrbereit auf dem Wiesbadener Hauptbahnhof.

Jetzt noch Exoten, 2050 Standard? Ein Wasserstoffzug steht abfahrbereit auf dem Wiesbadener Hauptbahnhof.

Bild: © Arne Dedert/dpa

Der europäische Wasserstoffmarkt, zurzeit im Vergleich zu anderen Energiemärkten noch eine Nische, dürfte 2050 ein Volumen von 120 Milliarden Euro erreichen. Das prognostiziert die Denkfabrik Aurora Energy Research in einer neuen Studie. Demnach dürfte sich die Nachfrage nach Wasserstoff bis Mitte dieses Jahrhunderts auf 2500 TWh pro Jahr verachtfachen.

Aurora schätzt, dass sich Deutschland im Europavergleich zum attraktivsten Markt für Investitionen entwickeln werde. Das gelte insbesondere für den grünen Wasserstoff, also einen aus erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff.

Wichtige Rolle für Klimaziele

Für blauen Wasserstoff seien Großbritannien, die Niederlande und Norwegen attraktive Standorte. Schließlich produzierten diese Länder selbst Erdgas und hätten günstige Voraussetzungen für die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff.

Die Studienautoren sind der Auffassung, dass Wasserstoff zum Erreichen der europäischen Klimaziele bis 2050 eine wichtige Rolle spielen dürfte. Vor allem für die Stahl- und Chemieindustrie, aber auch für Teile des Wärmemarkts und des Transportsektors dürfte sich der Energieträger eignen.

Industrieller Bedarf steigt

Heute wird Wasserstoff in größerem Umfang praktisch ausschließlich in der Industrie verwendet, vor allem in der Ammoniakproduktion und in Raffinerien. Laut Aurora-Analyse wird sich allein dieser industrielle Bedarf bis 2050 auf bis zu 700 TWh mehr als verdoppeln. Dazu kommt in den 2030er und 2040er Jahren ein erhebliches Potenzial für die Nutzung von Wasserstoff im Verkehr, vor allem in schweren Nutzfahrzeugen sowie Zügen und möglicherweise Flugzeugen sowie als Ersatz für Erdgas zur Wärmeerzeugung.

Aktuell Gesamtverbrauch bei 327 TWh

Der jährliche Gesamtverbrauch in Europa liege derzeit bei 327 TWh, schreiben die Autoren. Der größte Anteil davon entfalle auf Deutschland, die Niederlande und Frankreich. "Bisher wird dieser Wasserstoff fast ausschließlich durch Dampfreformierung aus Erdgas hergestellt", sagt Alexander Esser, Energiemarktexperte von Aurora Energy Research.

"Das hat erhebliche Treibhausgasemissionen zur Folge. Mit der Festlegung auf das Netto-Null-Ziel gewinnt nun die Frage an Bedeutung, welche Form der kohlenstoffneutralen Wasserstoffherstellung eingesetzt werden soll und wie sich das wirtschaftlich darstellen lässt." (ab)

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