Das Bundesforschungsministerium macht Druck, dass eine ambitionierte nationale Wasserstrategie endlich auf den Weg kommt.

Das Bundesforschungsministerium macht Druck, dass eine ambitionierte nationale Wasserstrategie endlich auf den Weg kommt.

Bild: © Thomas/AdobeStock

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat Eckpunkte für den Aufbau einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft vorgelegt. "Wasserstofftechnologien nehmen eine Schlüsselposition bei der Transformation der Industrie in Richtung einer nachhaltigen Wertschöpfung ein", erläutert Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. "Als Land der Ingenieure und des Anlagebaus kann sich Deutschland eine weltweite Spitzenposition sichern – sofern wir jetzt zügig die richtigen Weichen stellen und die Voraussetzungen schaffen, die Wasserstoffwirtschaft zielgerichtet zu realisieren“" sagt er mit Blick auf die anhaltenden Debatten über die ausstehende Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung.

Dabei gehe es nicht nur um die Klimaziele, sondern um die "strategische Planung der Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland" – auch und gerade im Hinblick auf die "Post-Corona-Ertüchtigung der Wirtschaft", so Neugebauer weiter.

Flickenteppich verhindern

Um den Standort Deutschland langfristig zu stärken und alle verfügbaren Potentiale zu nutzen, sei es wichtig, einzelne Aktivitäten auf Bundesebene weiter zu bündeln und zu synchronisieren.

Die Fraunhofer-Gesellschaft schlägt unter anderem vor, den regulatorischen Rahmen für Steuern, Abgaben und Umlagen auf Strom für Wasserelektrolyseure sowie zur Stärkung der Sektorenkopplung anzupassen. Zudem brauche es langfristige politische Regelwerke für eine sichere Investitionsumgebung. Weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung seien nötig, um die Erzeugungskosten für Wasserstoff zu reduzieren, die Langlebigkeit der Produkte zu erhöhen sowie die Speicherung und die ökonomische Nutzung von Wasserstoff in der Industrie zu ermöglichen.

Infrastrukturen anpassen

Mit Ländern mit hohen Ausbaupotenzialen für erneuerbare Energien sollten Energiepartnerschaften geschlossen werden, um eine langfristig attraktive Investitionsumgebung zu schaffen. In den Blick nehmen müsse man aber auch den Infrastrukturbedarf bei der Umstellung der Erdgas-Infrastrukturen und neuer Wasserstoff-Pipelines.

Mario Ragwitz, Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG und Sprecher des Fraunhofer-Wasserstoff-Netzwerks, rechnet in jedem Fall mit einer wachsenden Nachfrage nach Wasserstoff. "Der Bedarf an Wasserstoff steigt in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach zunächst allmählich an, doch die Technologien und Infrastrukturen dafür müssen bereits jetzt optimiert und ausgebaut werden. Bis Ende der 2020er-Jahre muss Deutschland in der Wasserelektrolyse bereits Zuwachsraten von mehreren Gigawatt pro Jahr erreichen. Nur so kann die Klimawende gelingen und Deutschland gleichzeitig seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sichern sowie seine Stellung als Technologie-Exporteur wahren."

Brennstoffzellenproduktion als Teil der Strategie

Neben der wirtschaftlichen Produktion von Elektrolyseuren müsse auch die Produktion von Brennstoffzellen Teil einer umfassenden Wasserstoffstrategie sein, um sich auch im Bereich der mobilen und stationären Nutzung von Wasserstoff eine führende Position im internationalen Wettbewerb zu sichern. Deutschland müsse die wirtschaftliche Produktion von Brennstoffzellen forcieren.

Denkbar sei dies beispielsweise im Rahmen einer nationalen Forschungsplattform Brennstoffzellen-Produktion. Aufgrund der technologischen Ähnlichkeiten könne auch die Serienproduktion von Elektrolyseuren zur Erzeugung von grünem Wasserstoff in das Konzept integriert werden. Dadurch können die beiden Kernthemen für eine grüne Wasserstoffwirtschaft in eine gemeinsame, einander bedingende Forschungsplattform zusammengefasst werden, heißt es von Seiten der Fraunhofer-Gesellschaft. (amo)

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