Wie kalt wird dieser Winter noch? Und reichen dann die Gasvorräte?
Die Sorgen in der Branche sind offenbar so groß, dass der deutsche Marktgebietsverantwortliche THE zu einer außergewöhnlichen Maßnahme griff und eine zusätzliche Ausschreibung in Höhe von 5000 MW für die Regelenergiezone H-Süd bekanntgab. Zuletzt war es 2012 in Süddeutschland zu einer Engpasssituation gekommen.
50,2 Mio. Euro für Leistungspreise
Die gute Nachricht. Die ausgeschriebene Leistung wurde vollständig gedeckt, wie die THE auf ZfK-Nachfrage mitteilte. "Insofern war die Ausschreibung für THE erfolgreich."
Die Preise allerdings hätten sich auf einem ungewöhnlich hohen Niveau bewegt, heißt es weiter. Insgesamt musste THE 50,2 Mio. Euro für Leistungspreise bezahlen.
Gasspeicher leeren sich
Die Lage am Gasmarkt hat sich im Dezember weiter verschärft, die Preise im Großhandel erreichten am Dienstag ein neues Allzeithoch. Zuletzt notierte der Day-Ahead am Handelspunkt TTF bei knapp 175 Euro pro MWh.
Preistreibend wirken Gasspeicher, die sich weiter leeren. Zuletzt sank der Füllstand der deutschen Speicher nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ auf 56 Prozent. Allein am Montag wurden knapp 1,8 TWh Gas ausgespeichert.
Sorgen um russische Gasflüsse
Ausgespeichert wird auch in Deutschlands größtem Gasspeicher Rehden, der der Gazprom-Tochter Rehden gehört. Dort beträgt der Füllstand nur noch sechs Prozent.
Schon vor einigen Tagen hatte Sebastian Bleschke, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), im Interview mit dem "Handelsblatt" gesagt, dass der Füllstand sich im Vergleich zu den Vorjahren auf einem "historisch niedrigen Stand" bewege. (Die ZfK berichtete.)
"Eigentlicher Winter steht noch bevor"
"Da der eigentliche Winter noch bevorsteht, sollte mit den vergleichsweise niedrigen Speicherreserven sicherlich sorgsam umgegangen werden", führte er aus. "Wenn die Ausspeicherung so fortschreitet wie im Moment, wird der Speicherstand im Februar sehr niedrig sein."
Sorgen bereiten auch die Gasflüsse aus Russland, insbesondere an der Verdichterstation Mallnow an der deutsch-polnischen Grenze. Dort wurde am Dienstagmorgen in die entgegengesetzte Richtung nach Polen Gas gepumpt. Schon zuvor hatte sich die Liefermenge deutlich reduziert, wie aus Daten des europäischen Verbands von Gasfernleitungsbetreibern Entso-G hervorgeht.
Politische oder wirtschaftliche Entscheidung?
Zwar bezeichnete der Kreml in Moskau den Schritt als wirtschaftliche Entscheidung und nicht als politische. Trotzdem hegen manche Branchenexperten den Verdacht, dass Russland mit seinem Gas Druck auf die Bundesregierung ausüben will. Staatskonzern Gazprom will so bald wie möglich die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 in Betrieb nehmen.
Für den Betrieb der Leitung steht weiter die Genehmigung der Bundesnetzagentur aus. Kritiker sehen in der Gasleitung vor allem ein geopolitisches Projekt Moskaus. (aba/dpa)
