Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Wartungsarbeiten in Norwegen verlaufen bisher weitgehend nach Plan und nähern sich dem Ende. Die Gasflüsse steigen in dieser Woche entsprechend auf den höchsten Stand seit Beginn des Monats. Die größten Wartungen in Norwegen sind nun abgeschlossen und die Gasexporte sollten sich in der nächsten Woche wieder dem üblichen Niveau vor Beginn der Wartungsperiode annähern.

Die seit Beginn des Monats durchgeführten Wartungsarbeiten in Algerien wurden gestern beendet, so dass dies dem Markt zusätzliche rund 400 GWh/Tag hinzufügen sollte.

Einspeicherung stagniert

Die kurze Kältephase in der letzten Woche führte erstmals seit Ende des letzten Winters wieder zu einer gestiegenen Heizgasnachfrage. Die Temperaturen in dieser Woche und Wetterprognosen für die nächste Woche sind jedoch deutlich wärmer. Dazu speisen die Erneuerbaren überdurchschnittlich viel Strom ein, so dass seitens der Gasnachfrage keine Preisimpulse zu erwarten sind.

Die Gasspeicher der EU sind zu 93 Prozent gefüllt. Damit sind seit Beginn des Monats nur rund 12 TWh netto eingespeichert worden, der Füllstand stieg lediglich um 1 Prozentpunkt. Die Einspeicherungen sanken in den letzten zwei Wochen auf den tiefsten Stand seit Anfang April dieses Jahres. Wegen der zuletzt kühlen Temperaturen musste an einigen Tagen netto-ausgespeichert werden.

Die Entwicklung entspricht weitestgehend den Erwartungen, auch im letzten Jahr war die Situation während der Wartungsarbeiten in Norwegen ähnlich. In der zweiten Monatshälfte werden nun wieder steigende Einspeicherungen erwartet.

Winterkontrakt mit deutlichem Aufschlag

In den letzten Jahren fielen mit Ende der großen Wartungsarbeiten in Norwegen und einer Verbesserung der Angebotslage meist die Spreads zwischen Day-Ahead und dem Winterkontrakt. Bisher zeichnet sich dies nicht ab, während die Spotpreise zuletzt fielen, notiert der Winterkontrakt verhältnismäßig fest und vergrößerte sich im Vergleich zum Vormonat.

Zuletzt lag der Preis für Winter-24 rund 4 Euro/MWh über dem Day-Ahead und liegt damit am oberen Ende des Switching-Bereichs für die Umstellung von Kohle auf Erdgas in der Stromproduktion.

Waren zuletzt alle Gaskraftwerke mit einem Wirkungsgrad von über 50 Prozent gegenüber Kohlekraftwerken im Geld, so bedarf es beim aktuellen Preis für den Winterkontrakts eines Wirkungsgrades von mindestens 53 Prozent.

Dies zeigt den Risikoaufschlag, der insbesondere aktuell für Q1-25 wegen der aktuellen geopolitischen Spannungen und der Unsicherheiten des Ukraine-Transits eingepreist ist. Der aktuelle Aufschlag ist jedoch allenfalls symbolisch zu interpretieren, je nach Situation ist in der Lieferphase von Q1-25 ein Preisniveau von 25 bis 50 Euro/MWh möglich.

LNG-Importe im September bisher schwach

Auch im laufenden Monat September, wie auch schon im Juli und August zeigen sich die LNG-Importe sehr schwach. Bisher sind lediglich 46 LNG-Lieferungen an den EU-Terminals angekommen, zehn davon in Spanien, acht in Frankreich und sieben in den Niederlanden. In Belgien kamen im laufenden Monat bisher nur drei LNG-Lieferungen an. Dementsprechend niedrig zeigen sich die Aussendungen am belgischen LNG-Terminal Zeebrugge. Das Terminal hat im September bisher nur 2500 GWh/Tag Erdgas ausgesendet, die Kapazitätsauslastung liegt damit nur bei 20 Prozent.

Setzt sich der Trend der ersten Monatshälfte im restlichen Monat fort, so könnte auch in diesem Monat die Gesamtanzahl der LNG-Tanker-Importe unter 100 liegen. Im Juli waren es 92, im August 98; der Spitzenwert des laufenden Jahres stammt hingegen aus dem Januar, als 136 LNG-Lieferungen in die EU importiert wurden.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Marktstimmung bleibt trotz Preisverfalls angespannt

Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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