Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Preise auf dem Spotmarkt und für den Frontmonat Dez-23 haben sich in der vergangenen Woche am deutschen THE deutlich angenähert. In der Vorwoche war der Frontmonat noch rund vier Euro pro Megawattstunde (MWh) teurer als der Spot. Der Spread fiel am Donnerstag auf zeitweise unter 0,50 Euro pro MWh.

Die Entwicklung der Spotpreise in der letzten Woche verlief in den einzelnen europäischen Märkten höchst unterschiedlich. In Frankreich, Belgien und Großbritannien fiel das Spotpreisniveau wegen der vollen Gasspeicher, der hohen LNG-Aussendungen und der niedrigen Nachfrage zeitweise unter 40 Euro pro MWh. Damit stieg der Spread zum Spot am deutschen THE beziehungsweise am niederländischen TTF zeitweise auf mehr als sechs Euro pro MWh.

Preisdruck in Frankreich könnte nachlassen

Der Preisdruck in Frankreich, Belgien und Großbritannien könnte in der nächsten Woche nachlassen, da die Nachfrage mit fallenden Temperaturen steigen sollte und die Gasflüsse zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa wegen der Wartung des Interconnectors (IUK) zwischen 16. und 30. November unterbrochen ist.

Die Temperaturen sollen in Deutschland von Mitte der nächsten Woche an bis zum Monatsende auf die saisonale Norm bei vier bis sechs Grad Celsius zurückgehen. Mit der dann steigenden Gasnachfrage und den anziehende Ausspeicherungen besteht wenig Abwärtspotenzial für die Spotpreise an THE und TTF.

Geopolitische Risiken stützen Terminhandel

Die Terminkurven notieren an den europäischen Gasmärkten sehr flach. Am deutschen THE liegen Frontmonat Dez-23 bis Q3-24 innerhalb eines Spreads von weniger als zwei Euro pro MWh. Die Gaspreise haben sich damit auf ein Niveau von knapp unter 50 Euro pro MWh eingependelt.

Die Terminpreise zeigen sich weiterhin durch die Risiken im Nahen Osten und die typischen Wetterrisiken im laufenden Winter unterstützt. Ein Teil der Unterstützung könnte auch von der ukrainischen Warnung vor möglichen Angriffen Russlands auf den ukrainischen Gassektor sowie von der Einführung der neuen bulgarischen Transitsteuer auf russische Gasimporte gekommen sein.

Niedrigere Terminpreise erst ab 2027

Darüber hinaus könnte die angekündigte Verzögerung bei der Inbetriebnahme des Ausbaus der deutschen LNG-Infrastruktur für Unterstützung gesorgt haben. Die drei weiteren geplanten schwimmenden LNG-Terminals in Deutschland sollen nun erst zu Beginn des nächsten Jahres und nicht wie geplant noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.

Auch für das Kalenderjahr 2025 gehen die Händler derzeit nicht von einem nachhaltig fallenden Preisniveau aus. Der Kontrakt Cal-25 notierte am Donnerstag bei rund 45 Euro pro MWh, circa 3 Euro pro MWh weniger als Cal-24.

LNG-Welle zwischen 2025 bis 2027

Erst für das Jahr 2027 erwartet der Gashandel eine nachhaltige Entspannung. Der Kontrakt Cal-27 notierte am deutschen THE am Donnerstag bei rund 32 Euro pro MWh. Das sind etwa 14 Euro pro MWh weniger, als aktuell am Spotmarkt bezahlt wird.

Die jährlichen weltweiten LNG-Kapazitätserweiterungen waren nach 2020 deutlich gefallen und liegen seitdem bei weniger als 15 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Erst von 2025 an ist auf Grundlage der aktuellen Projektzeitpläne von einem deutlichen Anstieg der LNG-Kapazitäten auszugehen.

LNG-Potenzial vor allem bei Katar und USA

Bis 2030 soll die weltweite LNG-Kapazität um mehr als 250 Milliarden Kubikmeter pro Jahr ansteigen. 80 Prozent dieser Kapazitätserweiterungen entfallen auf die Produzenten Katar und USA.

Rund 180 Milliarden Kubikmeter pro Jahr sollen bereits in den Jahren 2025 bis 2027 hinzukommen. Dieses extrem starke Wachstum ab 2025 sollte die globalen Gasmärkte wieder in ein Gleichgewicht bringen und ist Grund für die niedrigeren Terminpreise ab diesen Zeiträumen.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Gaspreise: Was ein Blick nach Asien verrät"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper