Die Risikoaufschläge seit Beginn der Eskalation in Nahost wurden an den Gasterminmärkten zwischenzeitlich wieder weitgehend ausgepreist. Die weitere Entwicklung der Gaspreise im November hängt vom Wetter und der geopolitischen Lage, aber auch von der asiatischen LNG-Nachfrage ab.-
Im langfristigen Durchschnitt zeigt sich der Frontmonatshandel im Monat November weniger flatterhaft als im zurückliegenden Monat Oktober. Ausgehend vom Monatsdurchschnittspreis weichen aus statistischer Sicht die Preise meist nicht mehr als 17 Prozent nach oben oder unten ab.
Im Dezember Frontmonat deutlich volatiler
Für den aktuellen Monat ergibt sich damit ein statistisches Schwankungsband (95/5-Konfidenzintervall) für den Handel von Frontmonat Dez-23 von minimal 39 Euro pro MWh (Fünf-Prozent-Quantil) und maximal 55 Euro pro MWh (95-Prozent-Quantil).
Im Folgemonat Dezember hingegen zeigt sich der Frontmonatshandel deutlich volatiler. Hier waren in der Vergangenheit Abweichungen vom Monatsdurchschnittspreis von bis zu 30 Prozent zu beobachten.
Milde Wetterprognosen
Aus den jüngsten Wetterprognosen lässt sich kein Potenzial für extreme Preisentwicklungen ableiten. Bis zum Wochenende soll es kühler und auch deutlich windärmer als zuletzt werden. Das erklärt die jüngst feste Entwicklung der Gaspreise auf dem Kurzfristmarkt.
Im weiteren Novemberverlauf sollen die Tagesmitteltemperaturen in Deutschland zwischen fünf und neun Grad Celsius liegen. Das wären um bis zu zwei Grad mehr als die saisonale Norm. Auch die Windstromproduktion soll in der nächsten Woche wieder über der Norm liegen.
Steigende LNG-Nachfrage in Asien
Mit einer Veränderung der geopolitischen Lage kann die Stimmung am Markt natürlich sofort kippen. Derzeit scheinen die Märkte die aktuelle Situation jedoch weitgehend eingepreist zu haben. Die Händler schauen daher nach Asien, aber auch auf den Gas-Kohle-Switch.
Für den Frontmonat Dez-23 wurden zuletzt am asiatischen JKM umgerechnet rund 54 Euro pro MWh bezahlt. Die LNG-Futures auf dem niederländischen Handelsplatz TTF lagen für Dez-23 rund neun Euro pro MWh darunter.
Preisspread zwischen Europa und Asien
Die fünf größten asiatischen LNG-Nachfrageländer – Japan, China, Südkorea, Taiwan und Indien – importierten seit Beginn des Monats 78 LNG-Lieferungen und erwarten in den nächsten zwei Wochen eine vergleichbare Anzahl an LNG-Tankern.
Das entspricht ungefähr der doppelten LNG-Importmenge Europas. Nichts Ungewöhnliches, vergleicht man dies mit den Statistiken der Vormonate. Aus europäischer Sicht darf sich jedoch der Preisspread zwischen beiden Märkten nicht weiter vergrößern. Er sollte sich sogar eher verkleinern, um den Winter hindurch genügend LNG importieren zu können.
Gas-Kohle-Switch begrenzt Aufwärtspotenzial
Ein weiteres Aufwärtspotential der Gaspreise wird durch den Brennstoffwechsel zwischen Gas und Kohle begrenzt. Die Gaspreise verlaufen aktuell am oberen Ende der Switching-Range. Beim aktuellen Preisniveau sind Gaskraftwerke zur Stromerzeugung mit einem Wirkungsgrad von weniger als 60 Prozent nicht mehr im Geld. Gaskraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 58 Prozent produzierten zuletzt zu den gleichen Kosten Strom wie Steinkohlekraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 40 Prozent.
Daher fiel zuletzt in Deutschland die Stromnetzleistung der Gaskraftwerke an manchen Tagen unter drei Gigawatt (GW). Der Anteil von Erdgas an der Gesamtstromerzeugung fiel damit zeitweise auf bis zu fünf Prozent. In den Vormonaten lag der Anteil noch bei bis zu 15 Prozent.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Nachfrageflaute: Gasverbrauch in Deutschland bleibt schwach"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.
