Die Verdichterstation in Mallnow nahe der deutsch-polnischen Grenze übernahm bislang vorwiegend russisches Erdgas, das über die Jamal-Pipeline transportiert wurde.

Die Verdichterstation in Mallnow nahe der deutsch-polnischen Grenze übernahm bislang vorwiegend russisches Erdgas, das über die Jamal-Pipeline transportiert wurde.

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Es gibt also doch noch eine andere Richtung als steil nach oben, dürfte sich mancher Energiehändler am Montag gedacht haben.

Tatsächlich sanken die Gaspreise am niederländischen Handelsplatz TTF deutlich – von fast 340 Euro pro MWh auf zwischendurch 270 Euro für den Liefermonat September.

Acht Speicher unter 75-Prozent-Grenze

Gute Nachrichten lieferte der Gasspeichermarkt. Zuletzt waren die deutschen Speicher im Schnitt zu 83 Prozent gefüllt. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die für Oktober anvisierte 85-Prozent-Marke schon Anfang September erreicht wird.

Zurzeit sind noch acht Speicher zu weniger als drei Viertel gefüllt. Darunter befindet sich Deutschlands größter Speicher im niedersächsischen Rehden (66 Prozent).

Strompreise wieder deutlich unter 1000-Euro-Marke

Auch am Strommarkt entfernten sich die Preise für das Frontjahr wieder von der 1000-Euro-Marke, die noch am Freitag nach einem untertägigen Preissprung von nahezu 200 Euro pro MWh allzu nahe schien. Am Nachmittag wurde die Megawattstunde für 810 Euro pro MWh gehandelt. Hauptursache dafür dürften die fallenden Gaspreise gewesen sein.

Die vergangene Woche mit immer neuen Rekordhöhen hatte nicht nur die Politik aufgeschreckt, sondern offenbar auch Europas größte Energiebörse EEX.

Kein Marktstopp erforderlich

Das Handelshaus mit Sitz in Leipzig lud am Montagmorgen den Börsenrat zu einer außerordentlchen Anhörung, um die Situation zu diskutieren. Dabei bestätigte die Börsengeschäftsführung nach eigener Auskunft, dass die Preise ordnungsgemäß zustande gekommen seien und daher ein temporärer Stopp des Marktes nicht erforderlich sei.

"Ein Aussetzen des Börsenhandels würde eher zu einer Verlagerung des Handels führen, aber die Preisentwicklung nicht verändern und insgesamt noch mehr Verunsicherung hervorrufen", wurde EEX-Vorstand Steffen Köhler zitiert.

Sicherheitsleistungen als Problem 

Allerdings warnte der Börsenrat laut Pressemitteilung, dass die weiterhin steigenden Liquiditätsanforderungen auch zur Zurückhaltung beim Handel und insbesondere auf der Verkaufsseite führen könnten.

Deshalb sei es "sehr wichtig", dass nicht Deutschland, sondern auch andere EU-Mitgliedsstaaten Unternehmen bei der Finanzierung von Sicherheitsleistungen unterstützen würden.

Uniper braucht mehr Geld

Deutschlands größter Gasimporteur Uniper dürfte der Energiekonzern sein, der finanzielle Hilfen der Bundesrepublik bislang am stärksten in Anspruch genommen hat. Die KfW-Kreditlinie in Höhe von insgesamt neun Mrd. Euro habe das Unternehmen vollständig ausgeschöpft, hieß es. Folge: Uniper hat eine Erweiterung der Kreditlinie in Höhe von vier Mrd. Euro beantragt.

Dem Konzern machen zurzeit ebenfalls hohe Sicherheitsleistungen zu schaffen. Zudem erhält Uniper nach eigenen Angaben seit dem 14. Juni nur noch einen Teil seiner vertraglichen Gasliefermengen aus Russland.

Minderlieferungen bei 80 Prozent

Die Minderlieferungen beliefen sich mittlerweile auf 80 Prozent, teilt das Unternehmen mit. Die täglichen Verluste hätten zuletzt mehr als 100 Mio. Euro betragen.

Derzeit muss Uniper seine Nachbeschaffungskosten noch allein tragen. Von Oktober an kann der Konzern dann Zusatzkosten zum Großteil über die Gasbeschaffungsumlage auffangen.

Fortum muss selbst bei Gesellschafter anklopfen

Um Uniper langfristig zu stützen, ist ein Rettungspaket geplant, das eine Kapitalerhöhung von rund 267 Mio. Euro zum Ausgabepreis von 1,70 Euro je Aktie unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre vorsieht. Dies wird zu einer Beteiligung des Bundes an Uniper von rund 30 Prozent führen.

Momentan gehören Fortum noch 78 Prozent an Uniper. Der finnische Konzern sieht sich seinerseits nun offenbar gezwungen, angesichts des gestiegenen Bedarf an Barmitteln, erste Gespräche mit seiner Regierung zu führen.

Liquiditätssorgen bei Fortum

Momentan verfüge der Konzern zwar noch über ausreichende Finanzmittel, um die aktuellen Anforderungen zu erfüllen, teilte er am Montagmorgen in Helsinki mit. Das Unternehmen führe aber auch Gespräche mit dem finnischen Staat darüber, wie der Liquiditätsbedarf im Falle weiterer starke Energiepreissteigerungen gesichert werden könne.

Fortum hofft, nach Auslieferung der abgesicherten Stromverträge und Freigabe der Sicherheiten wieder liquider zu sein, wenn die höheren Einkaufspreise auf die Kunden umgelegt werden können.

Fortum fordert Stabilisierung des Markts

Ende vergangener Woche summierten sich Fortums gebundene Sicherheiten nach Angaben des Konzerns auf geschätzt rund fünf Mrd. Euro. Das sei ein Anstieg von einer Mrd. Euro innerhalb einer Woche.

Weiterhin hat sich Fortum nach eigenen Angaben an die nordischen Marktaufsichtsbehörden gewandt und fordert, "unverzüglich Maßnahmen zur Stabilisierung des Marktes zu ergreifen". Der Ausfall auch nur eines kleineren Marktteilnehmers bei dem derzeitigen Preisniveau wäre nur schwer zu verarbeiten und könnte zu schwerwiegenden Störungen des nordischen Stromsystems führe, warnte Fortum. (aba/dpa)

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