Deutschland müsse bei der Umsetzung der Wasserstoffstrategie aus den Fehlern lernen, die man im Strombereich gemacht habe. Das sagte Thorsten Herdan, Leiter Abteilung II Energiepolitik – Wärme und Effizienz im Bundeswirtschaftsministerium auf der digitalen BDEW-Konferenz "WIR.MACHEN.MÖGLICH" in Berlin. Man dürfe nicht noch einmal den Verbrauch ausbauen, dabei aber vergessen, dass man dann auch die Infrastruktur erweitern müsse. Daher sei es begrüßenswert, dass bereits jetzt konkrete Pläne für den Ausbau eines nationalen wie auch eines europäischen Wasserstoffnetzes auf dem Tisch liegen, führte Herdan weiter aus. Er diskutierte unter dem Titel „European Green Deal - zum EU-Klimaziel für 2030 und der notwendigen Maßnahmenarchitektur“ über europäische Kooperationen beim Wasserstoff und den Offshore-Ausbau.
Herdan wie auch Ralph Bahke, Geschäftsführer von ONTRAS Gastransport ließen keinen Zweifel daran, dass es keinen Sinn habe, das Thema Wasserstoff an dem Landesgrenzen enden zu lassen. Deutschland sei auf Importe angewiesen. „Aber wir brauchen europäische Regeln, die wir uns erst noch geben müssen. Wenn jeder seinen eigenen Senf macht, können wir die vorhandenen Synergien nicht nutzen“, sagte Herdan. An diesem regulatorischen Rahmen werde gerade mit Hochdruck gearbeitet.
Groebler: Einen Schritt nach dem anderen machen
Auch Gunnar Groebler, Senior Vice President, Business Area Wind, bei Vattenfall betonte, dass das Thema Wasserstoff kein rein deutsches Projekt sein könne und dürfe. Dennoch plädierte er dafür, nun zügig in die heimische Wasserstoffproduktion einzusteigen. „In einem zweiten Schritt, also dann, wenn der hiesige Bedarf das übersteigt, was hierzulande produziert werden kann, sollte dann über internationale Partnerschaften nachgedacht werden.“ Ansonsten werde dieses Zukunftsthema unnötig verkompliziert.
Eine Einschätzung, mit der er bei Herdan nicht punkten konnte. „Wir müssen das auf jeden Fall parallel machen. Sonst kaufen uns andere Länder den Wasserstoff weg und wir gucken in die Röhre“, mahnte er.
FNB können nicht loslegen
Bahke wiederum forderte die Politik auf, nun endlich die Regulatorik „Wasserstoff-ready“ zu machen. „Aktuell ist es für die FNB Gas nicht möglich, regulierte Wasserstoffnetze zu bauen oder zu betreiben.“ Generell müssten Strom-, Gas- und Wasserstoffnetze künftig gemeinsam gedacht werden. „Wir brauchen keine Insellösungen, sondern vernetzte Modelle, auch um bezahlbare Preise zu erzielen.“
Dem stimmte auch Herdan zu. „Wir sollten damit aufhören, in Einzelinfrastrukturen zu denken und zu planen.“ Wichtig seien auch europäische Förderprogramme für den Aufbau einer Infrastruktur. Er sei „sehr optimistisch“, dass man hierbei auf EU-Ebene schnell vorankomme. Schließlich gebe es bereits einige vielversprechende gemeinsame Projekte.
Wasser in den Wein kippte Gunnar Groebler. Beim Wasserstoff sei Deutschland durchaus nicht der Musterschüler Europas. Während man hierzulande noch über den regulatorischen Rahmenbedingungen brüte, sei Schweden unter Beteiligung von Vattenfall bereits jetzt in die CO2-freie Stahlproduktion eingestiegen. "Und Deutschland diskutiert weiter über Pilotprojekte." (amo)



