Civey-Umfrage
Es mag im ersten Moment paradox klingen. Da steigt die Gasnachfrage, ist Gas so teuer wie noch nie in Europa, zumindest verglichen mit früheren Sommermonaten. Und trotzdem kommt deutlich weniger Flüssigerdgas (LNG) auf dem Kontinent an als in den Vorjahren.
Die durchschnittliche Gesamtausspeiserate erreichte im dritten Quartal ein Drei-Jahres-Tief, schreibt die Unternehmensberatung Team Consult in ihrem jüngsten Report. Besonders frappierend fiel demnach der Rückgang in Nordeuropa aus. Dort sank die Ausspeiserate gegenüber dem Vorquartal um die Hälfte.
LNG in Südeuropa wichtiger
In Südeuropa verringerte sich die Ausspeiserate dagegen nur leicht um etwa zehn Prozent. LNG käme dort eine stärkere Bedeutung zu, argumentieren die Experten. Deshalb sei die Grundbeschäftigung der Terminals höher.
Doch warum gelangt LNG deutlich seltener nach Europa? Als wichtigen Grund nennen die Berater eine noch höhere Zahlungsbereitschaft in Asien, vor allem in China. Zwischendurch wurde dort mit knapp 50 Euro pro MWh der höchste LNG-Sommerpreis seit 2013 erzielt.
Europa könnte LNG-Nachschub gut gebrauchen
Die Folge: LNG-Schiffe machen sich bei derart hohen Preisen lieber auf den Weg nach Asien als nach Europa, freie Flüssigerdgasmengen fallen weg.
Dabei könnte Europa LNG-Nachschub gut gebrauchen. Ähnlich wie Asien erlebte der Kontinent einen vergleichsweise strengen Winter.
Gasspeicher nur zu gut 55 Prozent gefüllt
Die Gasspeicher hier und dort füllen sich seitdem nur langsam. Die deutschen Speicher etwa sind nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ aktuell nur zu gut 55 Prozent gefüllt.
Zudem haben heiße Temperaturen und schwacher Erneuerbaren-Output in den vergangenen Wochen in Europa den Stromverbrauch angetrieben, wurde Gas auch vermehrt für die Stromerzeugung herangezogen.
Wirbel um Nord Stream 2
Bearish wirkte dagegen die Nachricht, der russische Energieriese Gazprom wolle noch im Dezember Gas durch die Ostseepipeline Nord Stream 2 pumpen. (Die ZfK berichtete.) Tatsächlich fielen daraufhin die Gaspreise im Spotmarkt (NCG) um bis zu 16 Prozent.
Pessimistischere Prognosen trieben die Gaspreise am Montag aber schon wieder nach oben, auch weil die Preise für CO2-Zertifikate anzogen – am Montag auf zwischenzeitlich mehr als 55 Euro. (aba)
