Im Gasvertrieb und -handel hat die Gas-Union ein leicht positives Ergebnis erzielt, hohe Wertberichtigungen im Speicherbereich sorgten unterm Strich aber für ein Defizit im zweistelligen Miillionenbereich.

Im Gasvertrieb und -handel hat die Gas-Union ein leicht positives Ergebnis erzielt, hohe Wertberichtigungen im Speicherbereich sorgten unterm Strich aber für ein Defizit im zweistelligen Miillionenbereich.

Bild: © VKU

Die Verhandlungen über eine Verlängerung der Kreditlinien für das Potsdamer Handelsunternehmens Natgas AG sind gescheitert. Aus diesem Grund kann das Unternehmen die für sein Geschäft "zwingend notwendige Avalfinanzierung seiner Lieferantenkredite" nicht mehr fortsetzen, heißt es in einer Pressemitteilung des größten Natgas-Einzelaktionärs, der Stuttgarter Friedrich Scharr KG. Deshalb hat der Natgas-Vorstand am Donnerstag (26. September) Insolvenzantrag beim Amtsgericht Potsdam gestellt. Davon betroffen sind rund 100 Mitarbeiter.

Insolvenzverwalter prüft Fortführung des Unternehmens

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt Christoph Schulte-Kaubrügger bestellt. Der Insolvenz- und Sanierungsexperte ist Partner der Kanzlei White & Case Insolvenz. Er hat bereits eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter angestoßen, damit dieses zeitnah ausgezahlt werden könne, heißt es auf der Natgas-Homepage. Er wird prüfen, welche Aussichten auf eine Fortführung des Unternehmens angesichts des laufenden Geschäftsbetriebs bestehen. Gespräche mit Kunden, Lieferanten, Vertriebspartnern sowie Übertragungs- und Netzbetreibern sollen bereits auf Hochtouren laufen.

Finanzierungszusagen laufen nur bis Ende September

Laut Pressemitteilung der Friedrich Scharr KG war Natgas bis zum vergangenen Donnerstag weder überschuldet noch zahlungsunfähig. Die Finanzierungszusagen der beteiligten Banken laufen allerdings nur bis Ende September. Die Friedrich Scharr KG war erst im August zum größten Einzelaktionär der Natgas aufgestiegen und hatte die Anteile der Marquard & Bahls aus Hamburg übernommen.

Monatelange Verhandlungen

Bereits zuvor hätten die Gesellschafter, die Banken und der Vorstand in monatelangen Gesprächen versucht, ein für alle Seiten tragfähiges Konzept zu entwickeln. Im Zuge der Anteilsaufstockung hatte der neue Mehrheitsaktionär zugesagt, einen höheren Anteil der von den Bankenseite geforderten Zusatzsicherheiten zu stellen, um die Sanierung und den Fortbestand der Natgas zu sichern. Weitere Natgas-Gesellschafter sind die S.E.T Select Energy GmbH aus Hamburg und der Petrogem S.A. aus Genf.

"Am Ende ist die Zeit ausgegangen"

"Leider ist allen Beteiligten am Ende die Zeit ausgegangen, um die finanzierenden Banken von dem Fortführungskonzept zu überzeugen", heißt es weiter in der Pressemitteilung. Der Aufsichtsrat habe "vermutlich dem alten Vorstand zu lange das Vertrauen geschenkt und zu spät erkannt, dass er einerseits mit der Führung der Gesellschaft im aktuellen Marktumfeld überfordert war und andererseits den Aufsichtsrat über die wahre Situation der Gesellschaft bewusst im Unklaren gelassen hat."

Im Juni wurde der Vorstand ausgetauscht

"Es ist bedauerlich, dass das, was wir hier in fast zwanzig Jahren aufgebaut haben, jetzt in sich zusammen fällt", betonte Natgas-Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Scharr. Das Unternehmen hatte sich erst im Juni überraschend von seinem langjährigen Vorstandssprecher Jörg Bauth getrennt und die neue Doppelspitze David Schweizer und Jan Hendrik Semkat installiert.

Warnung vor Rekordpreisen für Ausgleichsenergie

Ziel war die Neuausrichtung und Weiterentwicklung vom reinen Commodity-Händler zum Energiedienstleister. Ende Juli war auch noch der bisherige Leiter Handel und Vertrieb von Natgas, Detlef Siebert, bei Natgas ausgeschieden und hatte eine eigene PPA-Handelsgesellschaft gegründet. Natgas hatte erst vor kurzem in einem Brandbrief mit 13 anderen Erneuerbaren-Direktvermarktern die Rekordpreise für Ausgleichsenergie als akute Gefahr bezeichnet und das Einziehen zweier Preisdeckel gefordert. (hoe)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper