Wer künftig auf sauberen Wasserstoff im Tank wert legt, sollte auf die Herkunftszertifikate der EU achten.

Wer künftig auf sauberen Wasserstoff im Tank wert legt, sollte auf die Herkunftszertifikate der EU achten.

Bild: © Wit/stock.adobe.com

Bislang ist die Energiewende vorrangig eine Stromwende, denn obwohl nur rund 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfs auf die Stromversorgung entfallen, basiert über die Hälfte der Erneuerbaren-Erzeugung auf Wind- und Sonnenstrom. In Anbetracht der Überproduktion braucht es die Sektorenkopplung, um die Netze vor dem Kollaps zu schützen und vorhandene Ressoucen für Wärme und Kraftstoffe zu nutzen. Allerdings beweist das Power-to-Gas(PtG)-Großprojekt von Amprion und Open Grid Europe, wie schwer es die Technologie in der Umsetzung hat.

Die beiden Netzbetreiber planen unter dem Namen "Hybridge" den Bau eines Elektrolyseurs im 100-MW-Bereich. Im niedersächsischen Lingen soll die Anlage errichtet und die Gasinfrastruktur umgewidmet und erweitert werden – Kostenpunkt all inclusive: 150 Mio. Euro. Die Verwendungsmöglichkeiten beschreiben die Projektverantwortlichen im Rahmen eines Projekt-Updates in Berlin als vielfältig: Sowohl die Industrie im Ruhrgebiet als auch Marktteilnehmer im Wärme- und Verkehrssektor sollen den grünen Wasserstoff nutzen können. Auch die Umwandlung zu Methan ist als Einsatzoption angedacht.

Genehmigung und Business-Case offen

Bevor das Pilotprojekt allerdings die erste MWh umwandelt, braucht es deutlich mehr politischen Rückhalt. "Wir haben alles, was wir brauchen: ein technisches Konzept, einen geeigneten Standort und die Nutzungsmöglichkeit für den Wasserstoff", betont Klaus Kleinekorte, Technischer Geschäftsführer von Amprion und ergänzt: "Wenn die Weichen gestellt werden, kann die Anlage 2023 bereits in Betrieb gehen." Einen Investitionsantrag wollen die Projektpartner noch dieses Jahr bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) stellen. In Anbetracht des geltenden Netzentwicklungsplans und der Förderregularien bleibt eine Genehmigung allerdings fraglich.

Genauso offen wie der Ausgang des Genehmigungsverfahrens ist auch das Geschäftsmodell, das sich um die Elektrolyseanlage entwickeln soll. Grundsätzlich wollen Amprion und Open Grid Europe nur die Infrastruktur zur Umwandlung von Strom bereit stellen, selbst aber nicht mit Umwandlungskapazitäten handeln. Wie ein Business-Case für Händler und Netzkunden aussehen kann, wollen die Projektkoordinatoren den Marktakteuren selbst überlassen. Allerdings gibt sich Kleinekorte zuversichtlich, denn durch die Netzdienlichkeit, die ein Elektrolyseur in der Größenordnung von ein bis drei GW leisten kann, würden die Kosten für Redispatchmaßnahmen sinken und dementsprechend auch die Stromnetzentgelte. Geld, das wiederum in die Transformation zu grünem Wasserstoff fließen könnte. (ls)

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