Banken, Gewerkschaften und Erneuerbaren-Verbände sehen die geplanten Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz und beim Netzanschluss mit Sorge. Sie fürchten höhere Kapitalkosten, weniger Aufträge und einen Rückgang beim Zubau.
25 Prozent des Windenergie-Zubaus im Jahr 2025 lagen nach einer Auswertung des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) in Netzgebieten, die künftig als kapazitätslimitiert gelten könnten. Bezieht der Verband zusätzlich Gebiete mit einer Abregelung zwischen drei und fünf Prozent ein, steigt der Anteil auf 39 Prozent. Für Investoren sei das ein "kaum kalkulierbares wirtschaftliches Risiko", schreibt der BEE in seiner am 16. September veröffentlichten Analyse.
Studie kommt zu anderen Redispatch-Zahlen
Damit verschärft sich die Auseinandersetzung über das geplante Netzanschlusspaket. Eine Untersuchung des Analysehauses E-Bridge im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums war zu einem deutlich kleineren Betroffenheitsbild gekommen.
E-Bridge hatte sechs Prozent der für Windenergie betrachteten Umspannwerke als kapazitätslimitiert eingestuft, bei Photovoltaik waren es fünf Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf das Redispatch-Jahr 2024. Beim Redispatch werden Erzeugungsanlagen wegen Netzengpässen heruntergeregelt.
Der BEE hält die Betrachtung für zu eng. Die Wirkung des geplanten Redispatch-Vorbehalts werde um den Faktor fünf unterschätzt, argumentiert der Verband. Die E-Bridge-Auswertung berücksichtige weder mehrere Jahre noch Gebiete mit einer Abregelung zwischen drei und fünf Prozent als Vorwarnstufe. Zudem könne die punktuelle Darstellung von Umspannwerken verschleiern, dass Engpässe ganze Netzstränge und Regionen betreffen.
Banken verlangen Bestandsschutz
Die Debatte erreicht damit den Kern der Projektfinanzierung. In einem Brief an das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur warnen Finanzinstitute vor steigenden Anforderungen an Eigenkapital und Fremdkapital. Die kumulative Wirkung aus Änderungen am Referenzertragsmodell, Redispatch-Vorbehalt, Wirkleistungsbegrenzung und weiteren Kostenrisiken könne Projekte verteuern, verzögern, verkleinern oder verhindern, teilte der Bundesverband WindEnergie (BWE) am 15. September mit.
"Wer Investitionen in Deutschland will, muss auch ihre Finanzierung sichern", sagt BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek. Windenergieprojekte bräuchten über Jahrzehnte "verlässliche und kalkulierbare Rahmenbedingungen".
Besonders kritisch bewerten die Finanzinstitute rückwirkende Eingriffe in bereits genehmigte, bezuschlagte und finanzierte Vorhaben. Der BWE fordert deshalb lange Übergangsfristen, Vertrauensschutz und kalkulierbare Kostenobergrenzen.
Weniger Aufträge erwartet
Auch in den Betrieben kippt offenbar die Stimmung. Einer Befragung von Betriebsräten in 34 Betrieben der Windindustrie zufolge rechneten 2025 noch nahezu 60 Prozent mit steigenden Aufträgen. Für 2026 liegt der Anteil laut IG Metall Küste unter 20 Prozent.
Die Auslastung ist mit 95 Prozent zwar weiterhin hoch und liegt vier Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Für die kommenden zwei Jahre erwartet die Gewerkschaft jedoch einen Rückgang. In den erfassten Unternehmen arbeiten rund 27.700 Menschen.
IG-Metall-Küste-Bezirksleiter Daniel Friedrich macht Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für den Stimmungsumschwung verantwortlich: "Nach der Altmaier-Delle droht jetzt der Reiche-Absturz." Die Bundesregierung müsse die Ergebnisse als Warnung verstehen, sonst drohten Auftragseinbrüche und Stellenabbau.
Das Bundeswirtschaftsministerium will mit der EEG-Reform und dem Netzpaket die Förderung reduzieren, Netz- und Erneuerbarenausbau stärker verzahnen und die Stromkosten senken. Im parlamentarischen Verfahren sind Änderungen möglich.