Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Bild: © Adobe Stock/Thomas

Von Daniel Zugehör

Kurz vor dem offiziellen Spatenstich am 28. April geben die Stadtwerke Stuttgart (SWS) Einblicke in ihr neues Wasserstoffprojekt – das nach eigenen Angaben derzeit größte Baden-Württembergs. Am Stuttgarter Hafen soll mit Unterstützung des Verbands Region Stuttgart, des Landes und der EU ein ganzheitliches Ökosystem für grünen Wasserstoff entstehen. Das Vorhaben umfasst drei zentrale Teilprojekte: "Green Hydrogen Hub GH2S" (Erzeugung), "H2 GeNeSiS" (Verteilung) und "HyPulseST" (Anwendung).

Grüner Wasserstoff aus Elektrolyse – netzdienlich erzeugt

Kern des Projekts ist die Erzeugung von grünem Wasserstoff im "Green Hydrogen Hub GH2S". Hier setzen die SWS auf Elektrolyseure, die mit Strom aus Wind- und Solaranlagen betrieben werden. Die Anlage soll im Vollausbau eine Leistung von bis zu zwölf Megawatt erreichen und jährlich rund 1200 Tonnen Wasserstoff produzieren. Der Betrieb erfolgt netzdienlich, das heißt: Die Anlage produziert insbesondere dann, wenn ein Überschuss an erneuerbarem Strom vorhanden ist. Dadurch lassen sich Lastspitzen ausgleichen und Strom aus Photovoltaik und Wind effizient zwischenspeichern.

Ein weiterer Aspekt: Die bei der Elektrolyse entstehende Abwärme wird zur Versorgung von rund 1200 Wohnungen genutzt. Der erzeugte Wasserstoff ist aufgrund des Herstellungsverfahrens besonders rein und eignet sich für Anwendungen in der Industrie, im Schwerlastverkehr und in Brennstoffzellenfahrzeugen.

Verteilung über Pipeline und Trailer

Für die regionale Verteilung bauen die SWS mit "H2 GeNeSiS" eine eigene Wasserstoff-Pipeline. Sie führt von Stuttgart-Gaisburg entlang der B10 bis zur Stadtgrenze Esslingen. Die Pipeline ermögliche eine sichere, verlustarme und wirtschaftliche Versorgung von Abnehmern in der Region, heißt es. Ergänzend dazu ist am "GH2S" eine Trailer-Abfüllstation vorgesehen, um auch nicht direkt angebundene Nutzer versorgen zu können. Eine spätere Anbindung an das überregionale Wasserstoffkernnetz ist in Planung.

Anwendung im Mobilitäts- und Wärmesektor

Im Teilprojekt "HyPulseST" prüfen die Stadtwerke verschiedene Einsatzmöglichkeiten für den Wasserstoff. Geplant sind etwa eine Wasserstofftankstelle und die Versorgung eines weiteren Standorts im Stuttgarter Neckartal. Auch der eigene Fuhrpark soll perspektivisch durch Brennstoffzellenfahrzeuge ergänzt werden. Nicht-hochreiner Wasserstoff, der beim Hochfahren der Elektrolyse anfällt, wird in einem Blockheizkraftwerk zur kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.

Beitrag zur Sektorenkopplung

Die intelligente Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität ist ein zentrales Ziel des Projekts. Grüner Wasserstoff soll dazu beitragen, CO₂-Emissionen zu senken, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und die regionale Energieinfrastruktur unabhängiger von Importen zu machen. Gleichzeitig stärken die Investitionen den Industriestandort Stuttgart im Rahmen der Energiewende.

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