Es war der Digitalisierungs-Traum des Business-to-Business-Energielieferanten Gasversorgung Süddeutschland (GVS): der Aufbau einer volldigitalen außerbörslichen Handelsplattform, auf der nicht nur die GVS und ihre Kunden voneinander Strom- und Gashandelsmengen kaufen oder verkaufen, sondern auch Konkurrenten,
- erstens, um gemeinsam die Abwicklungskosten bei den geringer gewordenen Vertriebsmargen radikal zu senken,
- zweitens, um die hohen Entwicklungskosten solcher Portale auf mehr Schultern zu verteilen,
- und drittens, damit auch die Energiebranche selbst solche Plattformen aufbaut, nicht nur gründer- und wagniskapitalfinanzierte Start-ups wie Eless oder Enmacc.
Der Traum hat den Plattform-Namen "Tender365", und ihm ist die GVS vergangenen Mittwoch ein großes Stück näher gekommen: Der Aufsichtsrat der Gas-Union – ein Gas-Midstream-Unternehmen wie die GVS und damit ein Konkurrent – beschloss den Beitritt zur Tender365 GmbH. Das teilte die Frankfurter Kooperation am Montag der Presse mit. Sie wird damit der vierte Gesellschafter der Betreiberfirma, nach der EnBW-Konzerngesellschaft GVS, der IT-Schmiede Exxeta und dem Regionalversorger Eins Energie in Sachsen, einer Beteiligung des Stadtwerke-Netzwerks Thüga. Nach wie vor sind fünf, sechs Gesellschafter bis Jahresende angestrebt. Die Verhandlungen seien "weit fortgeschritten", hieß es in der Pressemitteilung.
GVS damit Minderheitsgesellschafter
Damit bewahrheitet sich auch, was Tender-Co-Geschäftsführer Helmut Kusterer im Interview mit der "ZfK" gesagt hatte: Man nehme im Sinne des Plattform- und Neutralitätsgedankens auch eine Minderheitenposition in der Gesellschafterversammlung in Kauf: Jeder der vier Gesellschafter verfügt über gleiche Stimmrechte. Kein einzelner Miteigner kann jetzt noch die anderen majorisieren.
Gas-Union-Co-Geschäftsführer Oliver Malerius begründet den Beitritt so: Man setze auf die Entwicklung des Plattformgeschäfts im Energiemarkt und wolle das digitale Angebot für die eigenen Kunden – Stadtwerke, Industrie und Gewerbe – ausbauen. Das gemeinsame Vorgehen unterschiedlicher Unternehmen sei eine "Antwort auf die herausfordernde Marktentwicklung und besondere Stärke der Tender365". Derzeit befindet sich das Team des Plattformbetreibers auf Roadshow in etwa 30 Terminen in Deutschland. (geo)



