Mit fortschreitender Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sei die Wasserkraft in die Diskussion geraten, konstatieren die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) und der Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke (LVBW) in einer Pressemitteilung.
"Von diversen Seiten wird daran gearbeitet, die älteste Erneuerbare-Energien-Technologie im Freistaat zu diskreditieren und zurückzudrängen und das mit einer zunehmenden Vehemenz", erklärte Michael Müller, VWB-Vorstandsmitglied. Dabei werde mit Regelmäßigkeit auf zwei Themen fokussiert: Wasserkraftanlagen seien die Hauptverursacher für eine mangelhafte Qualität der Gewässer und sie würden maßgeblich zur ungenügenden Durchgängigkeit von Flüssen beitragen, so die Kritiker.
Beitrag zum Klimaschutz plus weitere positive Effekte berücksichtigen
"Diese pauschalen Schuldzuweisungen greifen zu kurz", wird Otto Mitterfelner, Mitglied des LVBW-Vorstands zitiert. Dabei werde vernachlässigt, dass diverse andere Faktoren in der Summe einen viel größeren Einfluss auf den Zustand der Gewässer hätten. Zudem würden die vielen positiven Effekte und wichtigen Funktionen von Wasserkraftanlagen, die sie zusätzlich zur klimaschonenden Energieerzeugung haben, nicht berücksichtigt. Angefangen mit dem Hochwasserschutz über die Grundwassersicherung bis hin zur Schaffung von Biotopen.
Auch müsse man sich die Historie der Wasserkraft in Bayern vor Augen führen, die bis heute eine Relevanz nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die bayerische Wirtschaft habe. Bis 1926 deckten rund 11.900 Wasserkraftanlagen nahezu den gesamten Strombedarf des Freistaats. Müller, Sägewerksbesitzer und Handwerker nutzten das Gefälle, um mit Wasserkraft ihre Maschinen anzutreiben und Strom für die Erzeugung von Mehl, Baumaterialien aus Holz etc. herzustellen.
Hohe Bedeutung für regionale Unternehmen
Noch heute würden viele kleine Anlagen von Müllern, Sägewerksbesitzern und Handwerksunternehmen betrieben. Die Wasserkraftwerke sicherten den Fortbestand der kleinen und mittelständischen bayerischen Handwerksbetriebe mit wichtigen regionalen Wertschöpfungsketten.
Würden die Rahmenbedingungen für den Anlagenbetrieb verschlechtert, so hätte das eine unmittelbare Auswirkung auf die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Unternehmen.
Geringer Anteil an Querbauwerken mit Wasserkraftanlagen
Laut Landesamt für Umwelt (LfU) seien derzeit 4248 Wasserkraftwerke im Freistaat in Betrieb. Nach einer Umfrage des Landesverbandes Bayerischer Wasserkraftwerke (LVBW) seien rund 70 Prozent davon mit Fischaufstiegshilfen ausgestattet. Anders gesagt, nur 1275 Wasserkraftanlagen seien nicht durchgängig. Laut einer WFF-Studie sollen in Bayern von den insgesamt 57.000 Querbauwerken 89 Prozent und damit 50.730 nicht durchgängig sein.
"Für die restlichen Kraftwerksbetreiber sollte der Staat Anreize schaffen, um diese ebenfalls noch durchgängig zu gestalten. In anderen Bundesländern habe man dies bereits erkannt. Der weit überwiegende Teil der nicht passierbaren Querbauwerke befinde sich in öffentlicher Hand.
Kleine Wasserkraft deckt Strombedarf der Oberpfälzer Haushalte
Zudem erzeugten allein die kleinen Wasserkraftanlagen in Bayern über eine Milliarde CO2-freie Kilowattstunden Strom im Jahr. Das entspreche dem Strombedarf aller Haushalte im Regierungsbezirk Oberpfalz.
Dazu kommen laut der Pressemitteilung von VWB und LVBW weitere wichtige Funktionen von Wasserkraftwerken. Vor jeder Anlage befinde sich ein Stauraum, der für Wasserorganismen auch bei Trockenheit einen Rückzugsort bilde. Zudem werde dadurch der Grundwasserspiegel konstant gehalten. Ein Aufstauen oder ein Absenken des Oberwasserspiegels sei für den Betreiber nicht zulässig. (hcn)
