In Deutschland werden immer mehr Großbatteriespeicher installiert und geplant. (Symbolbild)

In Deutschland werden immer mehr Großbatteriespeicher installiert und geplant. (Symbolbild)

Bild: © Fluence

Günstiger soll das deutsche Energiesystem werden – darin sind sich die meisten in der Branche einig. Doch der Weg dahin ist umstritten. Nun liegen neue Zahlen vor.

Zum einen: Vier-Stunden-Batteriespeicher sind laut dem schottischen Beratungshaus Wood Mackenzie in allen 43 untersuchten Märkten günstiger als offene Gasturbinen. Für mehrtägige Versorgungskrisen und gesicherte Leistung bleibt der Vergleich jedoch offen. Genau hier setzt Deutschlands Kraftwerksstrategie an.

Zum anderen: 20 Gigawatt Batteriespeicher hätten die Preisspitze am 20. Januar 2025 deutlich verbilligen können. In einer Simulation des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE sank der Börsenstrompreis von 583 auf 221 Euro je Megawattstunde. Speicher verschieben Strom – vor allem innerhalb eines Tages.

Günstiger für die Abendspitze

Die Studienautoren von Wood Mackenzie vergleichen Vier-Stunden-Speicher mit offenen Gasturbinen, die bei hoher Nachfrage kurzfristig Leistung bereitstellen. In allen 43 Märkten weisen Speicher geringere Stromgestehungskosten auf. Das sind jedoch über die Lebensdauer errechnete Durchschnittskosten und nicht die vollständige Versorgungssicherheit eines Stromsystems.

Der Kostenvorteil entsteht bei Wood Mackenzie aus zwei Richtungen: Batterien nehmen günstigen Strom auf, häufig aus Solaranlagen zur Mittagszeit, und geben ihn in den Abendstunden ab. Gasturbinen verteuern sich durch Brennstoff- und Kohlenstoffkosten sowie knappe Fertigungskapazitäten. Für den Nahen Osten und Afrika prognostiziert Wood Mackenzie bei Vier-Stunden-Speichern einen Rückgang von 120 US-Dollar je Megawattstunde im Jahr 2026 auf 80 US-Dollar im Jahr 2035.

Für Europa nennt die Studie differenzierte Werte: Die Gesamtkosten eines schlüsselfertigen Speichers stiegen 2026 um rund zwei Prozent; die Preise für Batteriezellen gegenüber dem Tiefstand 2025 dagegen um rund zehn Prozent. Bis 2031 sollen die Gesamtkosten um zwölf Prozent sinken.

Preisspitzen werden seltener

Der neue Preissimulator des Fraunhofer ISE arbeitet mit aggregierten Kauf- und Verkaufskurven der Day-Ahead-Auktion und ergänzt sie um eine Batterieflotte. Im Szenario mit 20 Gigawatt Leistung und 40 Gigawattstunden Kapazität – zwei Stunden Speicherdauer – sank die durchschnittliche tägliche Preisdifferenz im Jahr 2025 von 130 auf 53 Euro je Megawattstunde.

Die Zahl der Stunden mit Preisen über 200 Euro je Megawattstunde ging von 169 auf 20 zurück, negative Preise von 575 auf 271 Stunden. Zugleich stieg der modellierte Marktwert von Solarstrom um 35 Prozent von rund 45 auf rund 61 Euro je Megawattstunde.

Leonhard Gandhi, Projektleiter für die Energy-Charts am Fraunhofer ISE, sagt: "Speicher glätten den Preis, aber sie erzeugen keinen Strom." Der Simulator ist eine Was-wäre-wenn-Rechnung auf Basis realer Gebote, keine Prognose. Er berücksichtigt einen Wirkungsgrad von 86 Prozent und Alterungskosten. Erlöse aus Intraday-Handel, Regelenergie, Systemdienstleistungen und Netzentlastungen bleiben außen vor.

Kraftwerke als Versicherung

Für die tägliche Abendspitze können Batterien Gasturbinen wirtschaftlich unter Druck setzen. Für eine mehrtägige Dunkelflaute reicht ihre gespeicherte Energiemenge dagegen nicht ohne Weiteres aus. Batterien brauchen zuvor geladenen Strom. Ein Kraftwerk mit Brennstoffvorrat kann länger Leistung bereitstellen, auch wenn Wind- und Solarstrom gleichzeitig schwach ausfallen.

Das erklärt, warum das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) zunächst eine andere Leistung beschaffen will. Für die ersten neun Gigawatt Langzeitkapazität müssen Anlagen mindestens zehn Stunden am Stück Strom liefern können und über 15 Jahre verfügbar bleiben. Ein typischer Vier-Stunden-Speicher fällt damit aus der Ausschreibung, selbst wenn er die Abendspitze günstiger bedienen kann als eine Gasturbine.

Die Entscheidung ist daher weniger ein direkter Vergleich von Batterie und Gaskraftwerk als eine Festlegung auf eine Systemdienstleistung. Speicher können Preisspitzen kappen, Solarstrom aufwerten und in den ersten Stunden einer angespannten Versorgungslage helfen. Kraftwerke bleiben dort schwer ersetzbar, wo Leistung über viele Stunden oder mehrere Tage gesichert werden muss.

Die offene Frage lautet deshalb nicht mehr nur, ob Batteriespeicher oder Gaskraftwerke günstiger sind. Entscheidend ist, ob Deutschland für jede Aufgabe die passende Leistung ausschreibt.

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