Weniger Spitzenpreise und Negativpreise an der Strombörse? Großbatteriespeicher können laut einer aktuellen Studie genau das bewirken. (Symbolbild)

Weniger Spitzenpreise und Negativpreise an der Strombörse? Großbatteriespeicher können laut einer aktuellen Studie genau das bewirken. (Symbolbild)

Bild: © Mike Mareen/AdobeStock

Mitte August 2026 waren in Deutschland insgesamt rund 20 Gigawatt (GW) Batteriespeicherleistung und 31 Gigawattstunden (GWh) Kapazität installiert. Das ist mehr als achtmal so viel wie vor fünf Jahren, wie die Plattform Battery Charts zeigt. Doch hinter diesen Zahlen verbergen sich sehr unterschiedliche Anlagen mit sehr unterschiedlichen Wirkungen. Das zeigt eine neue Studie von KfW Research, die am 19. August 2026 veröffentlicht wurde.

Denn nicht alle Batteriespeicher sind gleich. Großbatterien reagieren auf Börsenstrompreise und glätten das Tagesprofil am Großhandelsmarkt bereits messbar. Heim- und Gewerbespeicher dagegen tun das derzeit kaum, weil sie nach einer anderen Logik betrieben werden.

Strompreise um fast 20 Prozent "flacher"

Die KfW-Ökonomen haben Day-Ahead-Preise – also Preise für Stromlieferungen für den Folgetag – aus 13 europäischen Gebotszonen für den Zeitraum 2023 bis 2025 ausgewertet. Das Ergebnis: Je mehr Großbatterieleistung in einer Zone installiert ist, desto flacher verläuft die typische Tageskurve der Börsenstrompreise. Großspeicher laden in der Regel in preisgünstigen Mittagsstunden, wenn Photovoltaik-Einspeisung die Preise drückt, und speisen in den teureren Morgen- und Abendstunden wieder ein.

Konkret schätzt die Studie, dass pro zusätzlicher "Batterie-Dosis" von 1 Megawatt (MW) Großspeicherleistung je GW Spitzenlast die Mittagspreise im Schnitt um 0,14 Euro je Megawattstunde (MWh) höher liegen und die Abendpreise um 0,38 Euro je MWh niedriger. Die tägliche Preisspreizung zwischen tiefstem und höchstem Preis sinkt damit um 0,52 Euro je MWh pro Dosisschritt.

Für Deutschland rechnet die KfW das weiter hoch: Der Zubau von rund 12 MW Großspeicher je GW Spitzenlast zwischen 2023 und 2025 habe die tägliche Preisspreizung am deutschen Strommarkt in einer Größenordnung von 18 bis 20 Euro je MWh verringert. Das entspräche etwa 17 bis 19 Prozent des deutschen Mittelwerts von 108 Euro je MWh.

Doch die KfW selbst mahnt zur Vorsicht: Die Hochrechnung beruht auf einem vereinfachenden Modell mit abnehmendem Grenzeffekt bei wachsender Speicherflotte und sei daher als Näherungswert zu verstehen, nicht als exakte kausale Punktschätzung. Heißt: Der "glättende" Effekt dürfte mit zunehmender Menge an Batteriespeichern im Markt abnehmen.

Warum kleine Batteriespeicher kaum einen Effekt haben

Rund 80 Prozent der installierten Speicherleistung in Deutschland entfallen auf Heimspeicher. Dennoch lässt die KfW-Analyse für diese Kategorie keinen nennenswerten Einfluss auf die Börsenstrompreise erkennen. Der Grund liegt in der Betriebslogik: Heimspeicher werden überwiegend zur Eigenverbrauchsoptimierung eingesetzt.

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Sie laden also tagsüber Solarstrom und geben ihn abends ins eigene Haus ab – unabhängig davon, ob gerade Stress an der Strombörse herrscht oder nicht. Typischerweise sind sie in den preisgünstigen Mittagsstunden bereits voll geladen und leisten damit keinen Beitrag zur Preisglättung.

Die Studie benennt aber auch ungenutzte Potenziale: bidirektionales Laden und eine stärkere Marktintegration von Heim- und Gewerbespeichern. Als Hemmnisse nennt die KfW unter anderem die Struktur der Netzentgelte und die Stromsteuer, die marktdienliches Verhalten dieser Anlagen bremsen. Offen ist derzeit noch, wie stark die sogenannte "Mispel"-Regulierung der Bundesnetzagentur daran etwas ändert.

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Was Batteriespeicher im Stromnetz leisten

Für kommunale Netzbetreiber ist allerdings oft nicht der Börsenpreiseffekt die eigentlich relevante Frage, sondern, wie viel Entlastung ein Großspeicher dem lokalen Netz vor Ort bringt. Die Antwort der KfW-Studie fällt nüchtern aus: nicht zwingend viel.

Denn Großspeicher reagieren auf zonenweit sichtbare Börsenstrompreise. Der einheitliche Preis im deutschen Strommarkt bildet lokale Netzengpässe jedoch nicht ab. Ein Speicher kann also in einer Region laden oder entladen, in der ein Engpass bereits angespannt ist und die Situation damit verschärfen statt lindern. In bestimmten Konstellationen, so die Studie, kann marktgetriebenes Speichern sogar zusätzliche Abregelung von Windstrom auslösen.

Dynamische Netzentgelte werden in der Studie als möglicher Steuerungsmechanismus genannt. Sie könnten räumliche und zeitliche Engpässe abbilden und Speicher dorthin lenken, wo sie tatsächlich netzdienlich wirken. Wie ein solches Instrument konkret ausgestaltet werden müsste, ohne neue Verzerrungen zu erzeugen, lässt die Studie offen.

Besonders große Speicher abgelehnt

Darüber hinaus beschäftigt sich die Studie auch mit der Frage, warum bislang so wenige Großbatteriespeicher in Deutschland installiert sind. So wurden bereits im Jahr 2024 bei Verteil- und Übertragungsnetzbetreibern Anschlussbegehren für insgesamt 400 GW Großspeicherleistung gestellt. Genehmigt haben die Netzbetreiber davon aber nur 25 GW.

Das entspricht gerade einmal sechs Prozent der beantragten Leistung. Gemessen an der Zahl der Anträge wurden immerhin rund 40 Prozent zugelassen; das bedeutet jedoch, dass besonders leistungsstarke Projekte überproportional häufig keine Zusage erhielten.

Bis Mitte 2030 sind laut Marktstammdatenregister rund 14 GW Großspeicherzubau konkret geplant. Wie viele davon tatsächlich gebaut werden, ist offen; zumal Vorratsanträge und fehlende Bau- und Installationskapazitäten die Realisierungsquote weiter drücken dürften.

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