Die ersten Ausschreibungsrunden im Rahmen des StromVKG stehen vor der Tür. (Symbolbild)

Die ersten Ausschreibungsrunden im Rahmen des StromVKG stehen vor der Tür. (Symbolbild)

Bild: © Steag

Die TEAG Thüringer Energie AG (Teag) prüft nach exklusiven ZFK-Informationen eine Teilnahme an den Ausschreibungen des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetzes (StromVKG) – kurz: Kraftwerksgesetz. Konkret geht es um bis zu zwei sogenannte Greenfield-Standorte in Thüringen, also Projekte "auf der grünen Wiese" auf einer zuvor ungenutzten Fläche. Die Planungen seien bereits fortgeschritten.

Offen ist damit unter anderem, wo die Anlagen entstehen könnten, welche Technik zum Einsatz kommen soll und für welche Ausschreibungsrunde die Teag ein Gebot erwägt. Eine verbindliche Bestätigung für die Abgabe eines Gebots am 8. September liegt nach den vorliegenden Angaben nicht vor. Die Teag begründet die Zurückhaltung bei den Details mit Wettbewerbsgründen.

Thüringen sucht gesicherte Leistung

Die Teag verweist mit Blick auf das Vorhaben auf ihre bestehende Rolle im Thüringer Stromsystem. Die Gruppe und ihre Beteiligungen betreiben bereits mehrere Kraftwerke im Freistaat, darunter vor allem Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung. Diese würden kontinuierlich erweitert und modernisiert. Sie würden bislang jedoch nicht ausreichen, um den Bedarf an gesicherter Leistung zu decken.

Mit gesicherter Leistung sind Erzeugungskapazitäten gemeint, die unabhängig von Windaufkommen und Sonneneinstrahlung planbar zur Verfügung stehen können. Die neuen Standorte sollen das Thüringer Stromsystem nach Angaben der Teag deshalb nicht nur mit zusätzlicher Leistung versorgen. Sie sollen auch Systemdienstleistungen erbringen und das Netz damit technisch unterstützen.

Die erste Auktion rückt näher

Die zeitliche Einordnung der Ankündigung dürfte den Druck auf mögliche Bieter erhöhen. Am 8. September beginnt die erste Ausschreibungsrunde des StromVKG mit einem Volumen von 4,5 Gigawatt (GW) reduzierter Leistung. Eine zweite Runde mit weiteren 4,5 GW soll am 29. Dezember 2026 folgen. Die Ausschreibungen sollen den Bau neuer steuerbarer Kraftwerke anreizen.

Bei einer früheren Anfrage zu den Auktionen wurden 13 Unternehmen angefragt. Zwölf Unternehmen antworteten. Eine Beteiligung signalisierten damals nur Uniper, RWE und Leag. Eine verbindliche Zusage für die Abgabe eines Gebots in der ersten Runde lag bei keinem der angefragten Unternehmen vor. Zugleich zeichnete sich ab, dass mindestens zwölf konkrete Vorhaben für die ersten beiden Runden infrage kommen könnten.

Uniper setzt bislang den Maßstab

Am weitesten konkretisiert war in der ZFK-Abfrage die Position von Uniper. Der Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber nannte zwei wasserstofffähige Gaskraftwerke in Gelsenkirchen-Scholven und am Standort Staudinger bei Hanau. Zusammen sollen die Anlagen rund 1,7 GW leisten. Uniper teilte mit, beide Projekte befänden sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium und könnten grundsätzlich bereits an der ersten Runde teilnehmen.

Auch die Leag nannte konkrete Vorhaben: Leipheim in Bayern sowie Lippendorf in Sachsen und der Standort Schwarze Pumpe in Brandenburg. Leistungen und eine mögliche Gebotsrunde ließ das Unternehmen offen. RWE signalisierte ebenfalls eine Beteiligung an den Auktionen, nannte aber weder Standorte noch Leistungsgrößen. Öffentliche Projektankündigungen des Konzerns verweisen unter anderem auf mögliche Vorhaben in Werne, Weisweiler und Voerde. RWE selbst bestätigte keinen dieser Standorte als StromVKG-Projekt.

Die Teag bringt eine regionale Größenordnung ein

Mit bis zu 200 Megawatt (MW) für zwei Standorte wäre die von der Teag genannte Größenordnung deutlich kleiner als das von Uniper angekündigte Projektvolumen von 1,7 GW. Rechnerisch entspräche sie rund 4,4 Prozent der für die erste Ausschreibungsrunde vorgesehenen 4,5 GW. Die Zahlen zeigen damit auch, dass sich die Teag nicht mit einem nationalen Großprojekt positioniert, sondern mit mehreren kleineren Anlagen an möglichen Standorten in Thüringen.

Kommunale Unternehmen bleiben vorsichtig

Die Teag hebt sich mit ihrer möglichen Projektzahl und der genannten Leistung von der bislang vorsichtigen Haltung vieler kommunal geprägter Unternehmen ab. Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG prüfte die Teilnahme an der ersten Runde ergebnisoffen. N-Ergie hatte noch keine Entscheidung getroffen. Die Hamburger Energiewerke konnten sich eine Beteiligung perspektivisch vorstellen, während sich Iqony und Trianel nicht konkret äußerten.

Die Enervie-Gruppe hielt zwar am geplanten Kraftwerksstandort Hagen-Kabel fest, bewertete das verabschiedete Gesetz aber weiterhin kritisch. Das Unternehmen bezeichnete es als "grundsätzlich immer noch sehr ungünstig für kommunale Unternehmen". Das Risiko-Chancen-Profil der Auktionen sei nicht ausgewogen im Sinne einer notwendigen Akteursvielfalt, teilte Enervie mit. Die Zurückhaltung betrifft damit nicht allein die Frage, ob geeignete Standorte vorhanden sind.

Die Teag liegt mit ihrer Angabe von bis zu zwei Standorten und jeweils rund 100 MW im Mittelfeld der gesammelten Antworten: Die mögliche Beteiligung ist konkreter als ein allgemeines Interesse, aber noch nicht mit einer bestätigten Gebotsabgabe gleichzusetzen.

Am 8. September wird sich zunächst zeigen, wie viele Unternehmen tatsächlich Gebote einreichen. Die Teag könnte dabei zum ersten kommunalen Akteur werden, der seine mögliche Beteiligung mit einer Zahl von Standorten und einer konkreten Größenordnung unterlegt. Ob daraus ein Zuschlag für neue Kraftwerkskapazität in Thüringen entsteht, bleibt bis zum Ausgang der Ausschreibung offen.

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