Das aktuelle Strommarktdesign ist nicht unbedingt für eine überwiegend auf erneuerbare Energien eingstellte Versorgung geeignet. Das hat sich bereits vor Corona abgezeichnet, hat sich aber in der Krise noch einmal zugespitzt. Allein elf Mrd. Euro gibt die Bundesregierung aus, um das EEG-Konto einigermaßen zu stabilisieren und damit einen Anstieg der dazugehörigen Umlage für die Verbraucher in Grenzen zu halten.
Doch auch sinkende oder sogar negative Börsenstrompreise, wie es sie schon vor Corona gab, geben aus Sicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) Grund genug, das Marktdesing anzupassen.
Hilfen für stromintensive Industrie über Steuern
Gemeinsam mit verschiedenen Energieinstituten und Analysehäusern, darunter Energy Brainpool, IZES und Enervis hat der BEE sechs Maßnahmen erarbeitet, um die Erlössituation für Erneuerbare an der Börse zu stabilisieren und Verbraucher von der EEG-Umlage zu entlasten. Allen voran soll die EEG-Umlage von allen Letztverbrauchern finanziert werden. Stromintensive Industrieunternehmen erhalten im Gegenzug eine Kompensation für die erhöhten Stromkosten. Letztere soll über den Bundeshaushalt und damit Steuern finanziert werden.
Laut Berechnungen von Energy Brainpool ließen sich damit rund 1,5 Cent pro kWh einsparen, sodass die EEG-Umlage dieses Jahr statt 6,83 Cent nur 5,25 Cent pro kWh betragen würde.
CO2-Bepreisung soll für Kompensation sorgen
Eine weitere Entlastung bei der EEG-Umlage soll durch eine Kompensation der Ausgaben über den CO2-Preis erfolgen. Jede Milliarde Euro, die aus alternativen Quellen in den EEG-Ausgleichsmechanismus eingezahlt wird, würde die EEG-Umlage um circa 0,26 Cent pro kWh entlasten. In Corona-Konjunkturpaket und im Brennstoffemissionshandelsgesetz ist diese Querfinanzierung bereits vorgesehen. Die Einnahmen aus dem ETS sollen künftig auch zur Senkung der EEG-Umlage beitragen, fehlen dann allerdings in den Energie- und Klimafonds.
Darüber hinaus plädiert der BEE für eine Senkung der Stromsteuer. Hier liegt das Potenzial bei bis zu zwei Cent pro kWh. Die Befürchtung hierbei ist allerdings, dass dann Anreize für Öko- oder Regionalstrom ins Leere laufen. Hier würde es einer Ausnahmeregelung bedürfen.
Flexiblität und Lastverschiebung anreizen
Doch allein mit der Umstrukturierung von Finanzierungsmechanismen für das EEG-Konto ist es nicht getan, wenn es um die wirtschaftliche Teilnahme von Erneuerbaren am Strommarkt geht. Allein dieses Jahr erwarten Experten bis zu 320 negative Strompreisstunden. Für EEG-geförderte Anlagen könnte das in Anbetracht der Pläne im EEG 202, die 6-Stunden-Regel auf Viertelstunden zu verschärfen, fatal werden.
Der BEE plädiert stattdessen für mehr Flexibilisierung von Stromangebot- und nachfrage. Hierfür braucht es laut den Experten deutlich stärkere Anreize für die Lastverschiebung in der Industrie sowie eine Befreiung des Speicherstroms von Nebenkosten. Alle Maßnahmen könnten laut BEE kurzfristig umgesetzt werden. (lm)



