"Wenn sich alle für die Energiewende unterhaken, dann schaffen wir das". Dieses Motto stellte der Chef der Bundesnetzagentur (BNetzA), Klaus Müller, bei einem Panel zu den "Herausforderungen für die Netzinfrastruktur" am Donnerstag beim BDEW-Kongress in Berlin in den Mittelpunkt.
Dies sieht auch Leonhard Birnbaum, CEO von Eon so. "Wir müssen uns als Partner verstehen. Denn die Transformation können wir nicht jeder für sich machen", unterstrich er. Wobei dies natürlich nicht ausschließe, dass jeder Akteur in seiner Rolle auftrete und um die Ausgestaltung der richtigen Maßnahmen und die Regulierung kontrovers diskutiert und gerungen werde.
Viele Gemeinsamkeiten - doch um Anreizregulierung muss gerungen werden
Klar wurde, dass BNetzA und Eon als Branchenvertreter beim Ziel mehr Klimaschutz, schnellere Genehmigung für Erneuerbare-Anlagen und mehr Stromnetze sowie einen integrierten Planungsansatz über einen Systementwicklungsplan für Energienetze an einem Strick ziehen. Auch über die Notwendigkeit der Optimierung und verstärkten Digitalisierung von eigenen, internen Verfahrungsabläufen besteht Konsens.
Doch wo besteht Dissens? Dies versuchte der Moderator Marco Seiffert vom RBB aus dem Eon- und BNetzA-Chef rauszukitzeln. Wie zu erwarten, war man beim Thema Finanzierung, Anreizregulierung und Höhe der EKZ gelandet. "Wir müssen natürlich eine Regulierung haben, die darauf ausgerichtet ist, dass wir auf der Stromseite drastisch wachsende Netze finanzieren können müssen und auch die Rahmenbedingungen wie Inflation etc. in einer Anreizregulierung in angemessener Form berücksichtigen müssen“, so Birnbaum.
"Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit"
Heute sei nicht der richtige Ort, um über Nachkomma- oder Vorkommastellen zu diskutieren. "Ganz klar ist, da werden wir uns streiten müssen", unterstrich Birnbaum. Denn die Voraussetzungen hätten sich so geändert, dass sich hieraus sicherlich Folgerungen ergäben. "Der EK muss raufgehen und nicht runter und X-Gen ist ein Thema", gab der Eon-CEO die Leitplanken vor. Alles weitere müsse an anderem Ort und zu anderer Zeit mit der BNetzA diskutiert werden.
Natürlich sehe die BNetzA die Entwicklung und respektiere die Interessen der Netzbetreiber und Investoren, sagte Müller. „Doch genauso hat die BNetzA eine Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit, gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil es hier letztendlich um Verteilungskämpfe geht, wer soll was bezahlen“. Dies gelte es miteinander auszutarieren. Zudem seien die Netzbetreiber künftig gefordert, schneller und zuverlässiger Antragsunterlagen einzureichen.
In welchem Umfang sollen Gasnetze schrumpfen?
Als weiteren kontroversen Diskussionspunkt führte Birnbaum den Umfang der schrumpfenden Gasnetze an. Auch dies müsse sich in der Regulierung wiederfinden. "Auch da können wir uns streiten, was ist die richtige Art und Weise, das zu machen". Doch wenn Einigkeit über den grundsätzlichen Weg bestehe, könne ein solcher Streit nur produktiv sein, so Birnbaum.
Als wichtige Leitplanken, hin zu einer schnelleren Umsetzung der Energiewende, sieht der Eon-Chef auch eine grundsätzliche Vereinfachung von Planung und Genehmigungsverfahren, nicht nur beim LNG und den Erneuerbaren.
Müller: BNetzA wird stärker auf Beschleunigung abzielen
"Selten ist eine Leitung, eine höhere Leitung, eine neue Leitung, das, was sich die Menschen vor Ort bei sich wünschen“, sagte Müller. Aber trotzdem werde die BNetzA ihre Rolle darin sehen, viel, viel stärker auf Beschleunigung abzuzielen, so sei ja nun auch ganz klar der politische Wille artikuliert. (hcn)

