Bei den Strom- und Gastarifen in Deutschland gibt es nach Berechnungen der Bundesnetzagentur erhebliche Unterschiede. Bei einem Vertrag in der Grundversorgung kostete eine Kilowattstunde Strom am Stichtag 1. April 2020 im Durchschnitt 33,8 Cent, wie aus Zahlen für den neuen Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.
Bei den Wettbewerbern des örtlichen Lieferanten betrug der Durchschnittspreis zum gleichen Zeitpunkt 31,2 Cent.
Strom: Einsparpotenzial von 90 Euro
«Für einen Haushaltskunden mit einer jährlichen Abnahme von 3500 Kilowattstunden ergibt das eine durchschnittliche Ersparnis bei den Stromkosten von rund 90 Euro pro Jahr», rechnete die Netzagentur vor. Für Gaskunden gebe es aufgrund der größeren Mengen, die vor allem fürs Heizen benötigt werden, meist noch größere Einsparpotenziale.
Auch hier sei der Grundversorgungsvertrag mit 6,99 Cent pro Kilowattstunde die teuerste Belieferungsart. Bei den Alternativanbietern habe der Durchschnittspreis nur 5,96 Cent je Kilowattstunde betragen. Durch einen Wechsel hätte ein Haushalt demnach 240 Euro im Jahr sparen können.
Der Abstand zwischen Grundversorgungs- und Alternativtarifen ist nach den Zahlen der Bundesnetzagentur in den vergangenen Jahren größer geworden. Beim Strom war demnach der Grundversorgungstarif 2010 gut 4 Prozent teurer, jetzt sind es rund 8 Prozent. Beim Gas wuchs der Abstand im gleichen Zeitraum von gut 9 auf über 17 Prozent.
Vier Gründe für das Verrharren in der Grundversorgung
Aber warum bleiben viele Haushalte den teuren Tarifen treu? Verbraucherschützer Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW nennt vier Gruppen: Für Verbraucher mit einem Schufa-Eintrag sei ein Wechsel nur bei wenigen Anbietern möglich.
Es gebe aber auch Kunden, die sich durch die Formalitäten des Wechsels überfordert fühlten oder durch Insolvenzen von Anbietern abgeschreckt seien. Andere «wollten eigentlich schon längst mal wechseln, aber haben es noch nicht angepackt». Stadtwerke hätten aber auch Kunden, die bewusst ihrem traditionellen Versorger treu blieben, weil er Schwimmbäder, Vereine oder den Nahverkehr unterstützt. (dpa/hoe)
