"Brandenburg ist nicht nur Spitzenreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien. Wir können auch Vorreiterregion werden für eine Wasserstoffwirtschaft – und damit die Energiewende in Deutschland entscheidend voranbringen." Das erklärte Wirtschafts- und Energieminister Jörg Steinbach (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung einer Potenzialstudie in Potsdam. Die Kernaussage: Wasserstoff bietet große Chancen für Brandenburg. Das Land ist ein attraktiver Standort für eine Elektrolyseindustrie. "Allein durch die Ansiedlung relevanter Hersteller, die zehn Prozent des deutschen Marktes für Elektrolyseanlagen bedienen würden, könnten der Studie zufolge bis zu 7.000 hochwertige Industriearbeitsplätze in Brandenburg entstehen", hob Steinbach hervor. "Die konsequente Verfolgung einer Wasserstoffstrategie könnte dem gesamten Land einen ’Vorsprung Ost’ verschaffen. "
Für fast alle denkbaren Nutzungen von grünem Wasserstoff seien in Brandenburg Anwendungsmöglichkeiten vorhanden, erklärte der Minister. Dabei verwies er auf die Stahl- und die Chemieindustrie sowie die Raffinerie in Schwedt, wo grüner Wasserstoff für die Produktion von synthetischen Kraftstoffen, so genannte e-Fuels, eingesetzt werden könnte. "Die energieintensive Industrie in Brandenburg kann an der Spitze der Wasserstoff-Bewegung zukunftsfähig gemacht werden", sagte Steinbach.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten bestünden im Schwerlastverkehr, in der Binnen- und Fahrgastschifffahrt sowie im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). "In Ballungsgebieten wie in und um Potsdam, Cottbus, Brandenburg an der Havel oder Frankfurt (Oder) könnte mittels grünem Wasserstoff ein CO2-freier ÖPNV angeboten werden", sagte Steinbach. Zudem denke er an einen schrittweisen Umbau der Kraftwerksstandorte Jänschwalde und Schwarze Pumpe zu energiewendetauglichen Speicherkraftwerken. Das sei nicht nur eine volkswirtschaftlich sinnvolle Nachnutzung vorhandener Infrastruktur, sondern zugleich eine wichtige Perspektive für die Energieregion Lausitz.
Umlagen- und Abgabenreform beim Strom überfällig
"Wasserstoff und Grünes Gas werden eine wesentliche Rolle bei der Energieversorgung der Zukunft spielen. Sie ermöglichen die notwendige Flexibilisierung unseres Energieversorgungssystems und die Dekarbonisierung sämtlicher Sektoren. Es ist richtig, dass die Landesregierung Brandenburg auf diese Zukunftstechnologie setzt und ihre Potenziale aufzeigt. Eine gute Wasserstoffstrategie kann die Basis dafür sein, dass die Lausitz Energieregion bleibt. Das kürzlich als Reallabor ausgewählten Projekte in der Lausitz („Reallabor Lausitz“ und „Referenzkraftwerk Lausitz“) vermitteln einen ersten Eindruck von den Möglichkeiten von Wasserstofftechnologien für die Region", kommentierte Harald Jahnke, Vorsitzender der Landesgruppe Berlin-Brandenburg des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) und Geschäftsführer der Stadtwerke Prenzlau.
"Es ist jedoch ein Irrsinn, dass grün erzeugter Wasserstoff derzeit aufgrund der hohen Strompreise noch teuer ist als fossil erzeugter Wasserstoff", unterstrich Steinbach. Hier sei nun Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gefordert, seiner Ankündigung für eine Umlagen- und Abgabenreform beim Strom Taten folgen zu lassen und unter anderem die Netzentgelte für regenerativ erzeugten Wasserstoff zu streichen. "Wenn sich hier nichts ändert, können wir die Energiewende begraben", betonte Steinbach.
Chance der Umsetzung von RED II pro erneuerbarem Wasserstoff nutzen
Als ersten konkreten Schritt wolle man nun jedoch mit einer Bundesratsinitiative – gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein - die Verwendung von grünem Wasserstoff für E-Fuels durch Raffinerien voranbringen, berichtete Steinbach. Einen konkreten Ansatzpunkt biete die anstehende Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II der EU: Sie verpflichtet nämlich unter anderem die Kraftstoffproduzenten, die CO2-Emissionen ihrer Kraftstoffe zu senken und ermöglicht den Raffinerien, die Verwendung von grünem Wasserstoff auf diese Verpflichtung anzurechnen, so Steinbach. Damit werde der Einsatz von grünem Wasserstoff beispielsweise auch für die Brandenburger Raffinerie in Schwedt interessant. (hcn)
