Ob Preisanpassungen wegen der steigenden Ökostrom-Umlage drohen, ist noch nicht bekannt.

Ob Preisanpassungen wegen der steigenden Ökostrom-Umlage drohen, ist noch nicht bekannt.

Bild: © blende11.photo/Adobe Stock

Der Düsseldorfer Energiedienstleister Enplify hat errechnet, wie sich die EEG-Umlage in Anbetracht der Coronakrise und deren Folgen für den Börsenstrompreis entwickeln könnte – mit besorgniserregendem Ergebnis: Das EEG-Konto weist mit 1,9 Mrd. Euro im März 2020 einen bedenklich niedrigen Wert auf. Industrie und Endverbraucher müssen also mit einer steigenden Umlage im nächsten Jahr rechnen. Nun kommt es auf die Einführung des CO2-Preises an.

Nach Enplify-Berechnungen wird sich der Negativtrend auf dem EEG-Konto fortsetzen. Hintergrund ist die Kalkulationssystematik der EEG-Umlage, die den Stromverbrauch und -preis in Deutschland als wesentliche Faktoren heranzieht. Die Corona-Krise führt voraussichtlich dazu, dass beide Größen von der Planung abweichen. Allein am Spotmarkt lag der Strompreis seit Jahresbeginn durchschnittlich bei 25,27 Euro pro MWh und in der ersten Aprilhälfte sogar bei 17,34 Euro pro MWh.

Minimum 82 Euro pro MWh

Unter der Annahme eines Rückgangs des Letztverbrauches zwischen fünf und 20 Prozent und eines durchschnittlichen Börsenpreises zwischen 20 und 30 Prozent unterhalb der Kalkulationen der Übertragungsnetzbetreiber "sind nach unseren Berechnungen exzeptionell hohe Defizite auf dem EEG-Konto in einem Korridor zwischen 3,3 und 7,8 Mrd. Euro zum Jahresende 2020 möglich", heißt es.

Sollte die Einführung der CO2-Bepreisung krisenbedingt verschoben werden, droht ohne den BEHG-Zuschuss ein Anstieg der EEG-Umlage für 2021 auf bis zu 97,50 Euro pro MWh – das entspräche einer Steigerung im Maximum um 44 Prozent gegenüber 2020. Und selbst mit Zuschüssen aus der CO2-Bepreisung könnte die EEG-Umlage laut Enplify um 22 Prozent von derzeit 67,65 Euro pro MWh auf 82,50 Euro pro MWh steigen.

Es braucht zusätzliche Mittel zum CO2-Preis

„Hält die Bundesregierung an der Einführung des nationalen Emissionshandelssystems zum 1. Januar 2021 fest, werden weitere Zuschüsse in Milliardenhöhe erforderlich sein, um die EEG-Umlage überhaupt auf dem aktuellen Niveau zu halten.“, betont Dennis Becher, Vorstandsvorsitzender von Enplify und ergänzt: Weitere Mittel wären erforderlich, um eine Senkung der EEG-Umlage zu erzielen und damit die Mehrbelastungen aus dem nEHS zu kompensieren – was in Krisenzeiten dringend geboten sei.

Verschiebt die Bundesregierung die Einführung der nationalen CO2-Bepreisung, steige die EEG-Umlage laut Enplify wegen der fehlenden Zuschüsse sogar auf knapp 100,00 Euro pro MWh. Milliardenschwere Zuschüsse wären auch hier erforderlich, um die EEG-Umlage 2021 überhaupt zu stabilisieren. Zusätzliche Mittel müssten freigegeben werden, um die EEG-Umlage zu reduzieren.“

Energiebeschaffung optimieren

Insgesamt müssen Unternehmen 2021 mit weiteren Stromkostenerhöhungen rechnen. Denn die Simulation zur EEG-Umlage ist grundsätzlich auch auf die KWK- und Offshore-Netzumlage übertragbar, so dass diese beiden Positionen nächstes Jahr ebenfalls deutlich steigen könnten. Hinzu kommen voraussichtlich um zehn bis 15 Prozent steigende Netzentgelte. Als praktisch einziger Stellhebel zur Kompensation dieses Anstiegs verbliebe die Optimierung der Energiebeschaffung, heißt es aus Düsseldorf. (ls)

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