"Ich mache mir kurzfristig und auf mittlere Sicht über die Versorgungssicherheit in Deutschland keine Sorgen, wir haben ja einen bunten Blumenstrauß an Reservekapazitäten", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesagentur (BNetzA). Er verwies hierbei auch auf diverse regulatorische Instrumente wie die Netzreserve, besondere netztechnische Betriebsmittel oder die Verordnung über abschaltbare Lasten. Allerdings müsse angesichts des Wegfalls von Kohlekraftwerken "schon noch etwas Gas dazu kommen, hier muss etwas geregelt werden", unterstrich Homann - und er verweis auch auf eine entsprechende Formulierung in den Empfehlungen der Kohlekommission. Derzeit sei allerdings noch unklar, wie ein solcher Aufbau von Gaskapazitäten finanziert werden soll, hier sei nun die Politik gefordert.
"Ich glaube schon, dass die Bundesregierung verstanden hat, dass wenn wir irgendwo rausgehen, wir auch irgendwo reingehen müssen", sagte Stefan Kapferer, Chef des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz. Er hält den Bau neuer Gaskraftwerke mit einer Erzeugungskapazität von rund 15 Gigawatt für erforderlich, den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sowie "mehr Butter bei die Fische" beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Schaffung eines Kapazitätsmarktes fordere er nicht, aber es brauche zusätzliche Anreize, um das System zu stabilisieren. "Bestimmte Anlagen", so in Baden-Württemberg und im Saarland, könnten nicht ohne weiteres vom Netz genommen werden, sagte Kapferer.
Verbund-Chef warnt vor "immer kleineren Parzellierung von Preiszonen"
Zwar unterstrich Kapferer ebenso wie Homann die Bedeutung des grenzüberschreitenden Stromhandels und des europäischen Stromverbunds, doch warnte er vor einer zu starken Abhängigkeit der Versorgung vom Ausland. Denn der Umstieg auf Erneuerbare und der Abbau konventioneller Kapazitäten laufe ja europaweit. Dieser Einschätzung schloss sich auch Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzender der österreichischen Verbund AG, an. Er verwies vor allem auf die Notwendigkeit des Zubaus von Saisonspeichern und sprach sich wie Homann gegen eine immer kleinere Parzellierung von Preiszonen aus.
Wie der BNetzA-Chef so betonte auch Anzengruber die zentrale Bedeutung des Netzausbaus für die Versorgungssicherheit. "Das Blackoutrisiko liegt in den Netzen, nicht in der Erzeugung. Die entscheidende Frage ist, ob genügend Netze da sind, dass der Strom zum Verbraucher kommt", unterstrich Homann. (hcn)
