Wenn die Gebühren sich erhöhen, schade dies der deutschen Wirtschaft, so der PMeV.

Wenn die Gebühren sich erhöhen, schade dies der deutschen Wirtschaft, so der PMeV.

Bild: © bluebay2014/AdobeStock

Die aktuell deutlich gesunkene Stromnachfrage in Deutschland sorgt nicht nur für sinkende Strompreise an Spot- und Terminmärkten, sondern dürfte kurz- und mittelfristig auch zu einer steigenden Anzahl negativer Strompreise führen, ist sich die Unternehmensberatung Enervis Energy Advisors sicher. Dies bedeutet Erlöseinbußen auch für geförderte erneuerbare Energien, teilte sie mit. Diese Erwartungen werden aus den hausinternen aktuellen Strommarktmodellierungen abgeleitet.

So gehen die Energiemarktexperten bei Enervis davon aus, dass sich durch die Corona-Krise die deutsche Industriestromnachfrage 2020 deutlich reduziere. Und auch im Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen werde mit einem Nachfragerückgang gerechnet. Ein anderer Effekt des Rückgangs der Stromnachfrage betrifft die Energiebranche inklusive der Erneuerbaren: Es wird eine größere Häufigkeit negativer Spotpreise erwartet. Diese würden zu Erlöseinbußen auch bei erneuerbaren Kraftwerksbetreibern führen.

Deshalb kommt es zu negativen Spotpreisen

Diesen Effekt erläutert Tim Steinert, Senior Consultant bei Enervis, wie folgt: "Strompreise bilden sich im Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage und die Nachfrage geht aktuell deutlich zurück, während das Angebot vor allem aus erneuerbaren Energien weiter im Markt vorhanden ist. Damit nehmen nun die Stunden zu, in denen ein hohe Einspeisung erneuerbarer Energien, vor allem durch Windenergie, auf niedrige Stromnachfrage trifft und zu negativen Spotpreisen führt."

Die Analysten haben diese Effekte in einer Ad-hoc-Kurzstudie untersucht. Steinert ergänzt: "Allein bis Ende März 2020 haben wir, vornehmlich bei sehr guten Windverhältnissen, rund 130 negative Preise gesehen; im gleichen Vorjahreszeitraum hatten wir hingegen nur ca. 90 negative Stunden."

Negativpreise können sich im laufenden Jahr deutlich erhöhen

Enervis geht davon aus, dass sich die Anzahl negativer Strompreisstunden insbesondere kurzfristig im laufenden Jahr deutlich erhöhen könnte. "Unsere Szenarien zeigen, dass aufgrund der aktuellen Situation je nach Dauer und Schwere eines Nachfragerückgangs ein signifikant höherer Anstieg negativer Preise – auch im Vergleich zu 2019 – eintreten kann; also erkennbar höher als vor der Corona-Krise für 2020 erwartet", so Steinert.

Aufgrund gesetzlicher Regelungen im EEG führt dieser Effekt der Krise zu nicht unerheblichen Erlöseinbußen bei den Betreibern von geförderten EEG-Anlagen. Sie erhalten aufgrund § 51 EEG für alle Zeiträume negativer Spotpreise mit mindestens 6 Stunden Dauer keine EEG-Vergütung. (gun)

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