Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist es im europäischen Stromnetz zu einem kurzzeitigen Abfall der Netzfrequenz gekommen. Die Störung am Montagnachmittag sei allerdings deutlich kleiner gewesen als im Januar, sagte ein Sprecher des deutschen Übertragungsnetzbetreibers Amprion am Dienstag. Die Systemsicherheit sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, hieß es.
Am Montag habe es in Polen Probleme mit der Stromeinspeisung gegeben, sagte der Amprion-Sprecher. Der Frequenzabfall habe nur wenige Augenblicke gedauert. Eine Trennung des europäischen Netzes wie bei dem Vorfall im Januar habe es nicht gegeben.
System nicht gefährdet
Laut einem Sprecher des Netzbetreibers 50Hertz sei der Frequenzabfall auf den Ausfall eines Großkraftwerks in Polen zurückzuführen. 50Hertz habe umgehend Maßnahmen ergriffen, um gegenzusteuern. Die Frequenz sei jedoch zu keinem Zeitpunkt unter die kritische Schwelle von 49,8 Hertz gefallen, wie die ZfK auf Nachfrage erfuhr.
Nach 50Hertz-Angaben war die Frequenz nach 20 Minuten wieder stabilisiert. Der Vorfall in Polen hatte demnach keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit. "Aufgrund des Einsatzes von Querregeltransformatoren in den Umspannwerken entlang der deutsch-polnischen Grenze bei 50Hertz und PSE konnten Überlastungen von Leitungen binnen kurzer Zeit zurückgeführt werden", erklärte der Unternehmenssprecher.
Tennet-Netz nicht betroffen
Bei Tennet hat man das Ereignis beobachtet und stand mit dem polnischen Netzbetreiber und auch über die ENTSO-E dazu im europäischen Verbund in Kontakt. Für Tennet hatte das Ereignis jedoch keinerlei Auswirkungen, wie ein Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers aus Bayreuth mitteilt. Demnach hätten keinerlei Handlungsnotwendigkeiten bestanden. Die Versorgungssicherheit war im Tennet-Netz zu jeder Zeit gesichert.
Auch die Bundesnetzagentur betonte, dass die Sicherheit des Stromsystems nicht gefährdet gewesen sei. "Die Regelmechanismen haben funktioniert", sagte ein Sprecher. Die Bundesnetzagentur stehe in Kontakt mit den Übertragungsnetzbetreibern, um die genauen Ursachen zu analysieren.
Kurzschluss vermutlich die Ursache
Dem polnischen Übertragungsnetzbetreiber PSE zufolge sei es zu einer Störung im Umspannwerk Rogowiec gekommen. Infolgedessen wurden 10 Blöcke im Kraftwerk Bełchatów abgeschaltet. Insgesamt gingen so 3640 MW an Leistung verloren. Das System wurde vom Netzbetreiber PSE nach eigenen Angaben sofort ausgeglichen.
Dies geschah unter anderem durch Pumpspeicherkraftwerke sowie netzübergreifende Energieimporte aus der Tschechischen Republik, der Slowakei und Deutschland. Das nationale Stromnetz arbeite wieder stabil. Bei der Ursache der Störung handelt es sich wahrscheinlich um einen Kurzschluss. Der genaue Hintergrund werde derzeit noch untersucht.
Zweiter Vorfall in diesem Jahr
Die Frequenz im Wechselstromnetz in Kontinentaleuropa liegt bei fast genau 50 Hertz. Sie darf 49,8 Hertz nicht unter- und 50,2 Hertz nicht überschreiten. Sinkt oder steigt die Frequenz im Netz zu stark, beeinflusst dies die Funktion zahlreicher elektrischer Geräte. Auch die Generatoren der angeschlossenen Kraftwerke können beschädigt werden, wie Amprion erläuterte. Bei größeren Abweichungen greifen die Übertragungsnetzbetreiber zu Gegenmaßnahmen. Amprion hat dabei eine Koordinationsaufgabe.
Im Januar hatte die Überlastung einer Umspannanlage in Kroatien eine Kettenreaktion ausgelöst. Daraufhin war das europäische Stromnetz in zwei Teile aufgesplittet worden. In Frankreich und Italien wurden zur Stabilisierung des Stromnetzes industrielle Großverbraucher automatisch abgeschaltet. (dpa/jk)
