Der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber Entso-E hat neue Details zum Beinahe-Blackout in Europa vom 8. Januar bekannt gegeben. Demnach ging der kurzzeitige massive Frequenzabfall von einer Umspannanlage im kroatischen Ernestinovo aus.
Die automatische Abschaltung eines 400-Kilovolt-Sammelschienenkupplers aus Schutz vor Überstrom habe dazu geführt, dass zwei Sammelschienen in der Anlage entkoppelt worden seien, heißt es. Daraufhin seien die Stromflüsse Richtung Nordwest und Südost voneinander getrennt worden. Ernestinovo verbindet Leitungen nach Ungarn, Bosnien-Herzegowina und Serbien miteinander.

Stromdefizit von etwa 6,4 Gigawatt
Die Folge: Die Stromflüsse wurden auf umliegende Stromnetze umgeleitet, bis diese selbst überlastet waren. Dies führte innerhalb weniger Sekunden zu sicherheitsbedingten Abschaltungen weiterer Leitungen. 43 Sekunden nach Auftreten der ersten Störung kam es nach Entso-E-Angaben zum Split des europäischen Stromnetzes in zwei Teile.
In der nordwestlichen Netzregion, zu der auch Deutschland gehört, verzeichneten die Übertragungsnetzbetreiber daraufhin ein Stromdefizit von etwa 6,4 Gigawatt. Dies führte zu einem massiven Frequenzabfall auf 49,74 Hertz innerhalb von 15 Sekunden, ehe ein Wert von etwa 49,84 Hertz erreicht wurde.

In Deutschland keine Beeinträchtigungen
Gegenmaßnahmen etwa in Frankreich und Italien hätten innerhalb weniger Minuten das System weiter stabilisiert, sodass die Frequenz nur noch 0,1 Hertz vom Nennwert (50 Hertz) abgewichen sei, berichtet Entso-E. Bis zur erneuten Synchronisierung der beiden Netze gut eine Stunde nach der ersten Störung sei die Frequenz im nordwestlichen Teil nahe am Nennwert geblieben. Im deutschen Übertragungsnetz war es laut Bundesnetzagentur zu keinen Beeinträchtigungen gekommen. Nach Entso-E-Angaben soll eine Expertenkommission die Vorgänge abschließend aufklären. (ab)
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