Sie ist die erste Batterie an der PRL: Mit über 50 MWh Kapazität und einer maximalen Leistung von 48 MW ist der Stromspeicher BESS (Battery Energy Storage System) der Enspire-ME das größte Batteriesystem auf dem europäischen Festland. Noch dazu agiert diese Batterie an der Primärreserve (PRL) und stabilisiert die Frequenz im Netz. Das im deutschen Jardelund aufgestellte Batteriesystem ist ein Joint Venture des niederländischen Versorgers Eneco Group und der Mitsubishi Corporation und seit Mai 2018 am Netz. Andere MW-Batteriespeicher werden für allem in der Minutenreserve eingesetzt.
Paul Smeets, Leiter Kurzfrist-Stromhandel bei Eneco: "Batterien sind bezüglich Verfügbarkeit und wegen ihrer augenblicklichen Leistungsbereitstellung und kurzen Reaktionszeit ideal, um das Stromnetz schnell zu stabilisieren. Und sie arbeiten nachhaltiger und mit weniger Verlusten als die Anlagen, die heute typischerweise für Primärregelleistung eingesetzt werden." Bisher werden an der PRL Kohle-, Gas und Wasserkraftwerke eingesetzt.
Neuland für Eneco
Für Eneco war es das erste Projekt dieser Art. Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung war nicht einfach, sagt Smeets. Sie hänge stark von den möglichen Erlösen für Primärregelleistung ab. Und dies ist nun die Herausforderung. Schließlich kam es durch einen hohen Wettbewerb an den Regelenergiemärkten zu einem Fall der Preise. "Die Preise haben sich halbiert", gab Smeets freimütig zu. Kam es früher zu Erlösen von rund 3000 Euro pro MW und Woche, so werden nun nur noch 1500 Euro pro MW und Woche eingenommen. Schließlich ist die jede Woche ausgeschriebene Kapazität der PRL überschaubar. Für Gesamteuropa liegt die Kapazität bei etwa 3000 MW, für den Verbund der Länder Deutschland, Belgien, Niederlande, Frankreich, Schweiz und Österreich ist eine Kapazität von rund 900 MW nötig, so Smeets.
Die Herausforderung beim Fahren der Batterie ist nun die Komplexität der Prozesse. Für die Systemsteuerung hat das Aachener Beratungsunternehmen Procom mit Know-how ausgeholfen. Von der Gesamtleistung der Batterie von 48 MW sind 38 MW für die Regelleistungserbringung qualifiziert. "Primärregelleistung muss für längere Zeiträume und höchst zuverlässig bereitgestellt werden", sagt Smeets. Daher wird die Kapazität des Batteriesystems auch nie komplett vermarktet, da ein Teil der Kapazität zum (Wieder-)Laden der Batterie benötigt werde. "So können wir unsere Lieferzusagen auch dann einhalten, wenn wir beispielsweise eines der insgesamt 22 Batteriemodule zur Wartung außer Betrieb nehmen."
Hoher Automatisierungsgrad
Wegen der hohen Anforderungen an die Zuverlässigkeit sind fast alle Prozesse automatisiert. Handel, Angebot, Einsatzplanung beziehungsweise Nominierung laufen softwaregestützt ab und das Lademanagement von BESS erfolgt automatisch. Eine speziell für das Batteriesystem angepasste Lösung von Procom optimiert den Batterieladestand. Ohne dieses automatisierte, softwareseitige Management könnte das BESS zu voll oder zu wenig geladen sein, um Regelleistung zu erbringen. "Man weiß ja nie, ob positive oder negative Primärregelleistung abgerufen wird, also das Laden oder Entladen der Batterien erforderlich ist", so Smeets.
Die automatisch von der Procom-Software BoFiT erstellten Vorschläge für den Intraday-Handel gelangen direkt in die Handelsabteilung der Eneco. Von dort werden sie ebenfalls ohne manuelle Eingriffe an die Börse übermittelt. Die wirtschaftliche Optimierung ordnet sich dabei unter. Primärregelleistung erbringen zu können, hat oberste Priorität.
Blindleistung und vieles mehr
Neben der Primärregelleistung stellt das BESS auch Blindleistung bereit. Es ließe sich zudem für Sekundärregelleistung, beim Pooling oder zum Beispiel zur Vermarktung im Intraday-Handel nutzen. Ebenso könnte die Batterie den Strom nahegelegener PV- und Windparks aufnehmen, wenn die Energie wegen Netzengpässen nicht eingespeist werden kann. Diese Anwendung soll im Rahmen des Förderprogramms WTSH getestet werden. Das Projekt nimmt auch am Förderprogramm NEW 4.0 teil.
Nach einem guten halben Jahr Betriebszeit steht fest: Der Betrieb des Batteriesystems läuft wie erwartet, heißt es seitens Eneco. Zur Investitionssumme äußert sich Eneco nicht. (al)



