Bild: © Volker Werner/AdobeStock

Von Jürgen Walk

Die Analyse des EU-Rechnungshofs ist schonungslos: Ein Großteil des Stromnetzes stamme aus dem vergangenen Jahrhundert, fast die Hälfte der Leitungen in der EU sei sogar älter als 40 Jahre. Europa – so finden die Prüfer des EU-Rechnungshofs – müsse sich deutlich mehr anstrengen, um das Stromnetz zu modernisieren und fit für die Energiewende zu machen.

Um die Staaten der Union in Sachen Energie unabhängiger zu machen und den Klimawandel zu bekämpfen, brauche es ein modernisiertes Stromnetz, in das mehr erneuerbare Energien eingespeist werden können und das für den weiter zunehmenden Stromverbrauch gewappnet ist. Nötig sei eine moderne Infrastruktur, die der Industrie nutzt und die Preise im Rahmen halten kann, so Keit Pentus-Rosimannus, die als Mitglied des Europäischen Rechnungshofs für den Bericht zuständig ist.

Stromnachfrage wird sich bis 2050 wohl verdoppeln

Die Stromnachfrage in der EU werde sich bis 2050 voraussichtlich mehr als verdoppeln, so Pentus-Rosimannus. Erhebliche Investitionen seien dafür unbedingt erforderlich. "Wir müssen jedoch alle Hebel in Bewegung setzen, um den Investitionsbedarf so gering wie möglich zu halten", so die Einschränkung. Neue Technologien, Speichermöglichkeiten und flexiblere Netze können dazu beitragen, die Kosten zu senken.

Wenn das derzeitige Tempo anhalte, würden sich die geplanten Investitionen der Netzbetreiber zwischen 2024 und 2050 auf 1871 Milliarden Euro belaufen. Dies sei weniger als der von der EU-Kommission geschätzte Investitionsbedarf, der zwischen 1994 und 2294 Milliarden Euro liege, heißt es beim Rechnungshof. Hinderlich seien schlechte Netzplanung, langwierige Genehmigungsverfahren, begrenzte öffentliche Akzeptanz sowie ein Mangel an Ausrüstung, Material und qualifizierten Arbeitskräften.

Der Druck auf das Netz könne durch eine flexiblere Anpassung an tägliche, wöchentliche und saisonale Schwankungen des Energieverbrauchs und der Energieerzeugung verringert werden. Dann sei es auch nicht mehr unbedingt erforderlich, das Netz in großem Stil auszubauen. Die Technik biete hier viele Möglichkeiten, etwa durch Entwicklung und Ausbau neuer Speicherlösungen.

Auch ein Ausbau der Verbundnetze zwischen den verschiedenen EU-Ländern solle als Lösungsansatz ins Auge gefasst werden. Instrumente wie intelligente Zähler könnten Nachfragespitzen wirksam ausgleichen, aber ihre Einführung gehe in einigen Mitgliedstaaten nach wie vor nur schleppend voran.

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