Kann man auf ehemaligem Tagebaugelände noch eher als bisher üblich Windparks errichten? Sind frisch rekultivierte Flächen schon tragfähig genug? Das erforschen die Ruhr-Universität Bochum, das Unternehmen Jörss-Blunck-Ordemann (JBO) und RWE in einem gemeinsamen Forschungsprojekt, wie der Energiekonzern mitteilt.
Die noch jungen Böden müssten sich normalerweise erst über mehrere Jahre setzen, ehe sie bebaut werden könnten. Moderne Windenergieanlagen wiegen nach Angaben des Essener Konzerns bis zu 6500 Tonnen. Daher würden rekultivierte Areale üblicherweise erst nach einer Wartezeit von bis zu 15 Jahren bebaut.
Feldversuche im Tagebau
Auf Initiative von RWE untersuchen die Fachleute jetzt drei Jahre lang eine Betriebsfläche am Tagebau Inden (Nordrhein-Westfalen). Dort wollen sie einen möglichst komplexen Untergrund für das Forschungsprojekt auswählen. Anschließend beginnt der Feldversuch: Auf einer Kreisfläche mit dem Radius einer Windenergieanlage werden Kies und Sand aufgeschüttet. Die Erdmassen wiegen so viel wie ein Windrad einschließlich seines Fundaments.
Messgeräte im Boden zeichnen in der Folgezeit die geomechanischen Veränderungen auf. Basierend auf den Feldversuchen und begleitenden geotechnischen Laboruntersuchengen finden Computerberechnungen statt: Sie modellieren nicht nur die Setzung des Untergrunds unter dem Eigengewicht der Windkraftanlage, sondern auch die Einwirkung von Windlasten auf den Boden rund um eine solche Anlage.
"Gemeinsam wollen wir den Windkraft-Ausbau vorantreiben und dazu auch Sonderstandorte nutzen", sagt Christian Vogt, verantwortlich bei RWE für die Entwicklung von Windparks. "Es freut uns daher sehr, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unser Projekt fördert."
Die Partner prüften demnach, inwieweit und unter welchen Rahmenbedingungen eine Nutzung junger Rekultivierungsflächen möglich ist. Allein im Rheinischen Revier wolle RWE bis 2030 insgesamt 500 Megawatt (MW) an erneuerbaren Energien zubauen.
Eignung von Standorten
"Wir sind zuversichtlich, die Eignung von Standorten auf jungen Rekultivierungsflächen anhand von Computersimulationen zuverlässig beurteilen zu können, was wir anhand der Testschüttung in Inden bestätigen wollen", sagt Torsten Wichtmann, Professor für Bodenmechanik, Grundbau und Umweltgeotechnik an der Ruhr-Universität Bochum. "Dieses innovative Projekt vereint unsere langjährigen Expertisen zu Gründungen von Windenergieanlagen sowie bodenmechanischen Fragestellungen der Rekultivierung von ehemaligen Tagebauen."
Das BMWK fördert das Forschungsprojekt im Tagebau Inden mit 683.345 Euro unterstützt. Ein Großteil des Geldes erhält demnach die Ruhr-Universität Bochum. Als erstes Projekt untersucht der Modellversuch demnach die Eignung frisch aufgeschütteter Tagebauflächen systematisch. (jk)
