Der Münchner Erneuerbaren-Projektierer Baywa r.e. will auf dem Ruhmannsberg einen Windpark errichten. Seit die Pläne im vergangenen Sommer durchsickerten, herrscht Unruhe.
Kritiker sagen, die Anlagen würden zu nah an bewohnte Gebäude gebaut. Die parteilose Bürgermeisterin Gudrun Donaubauer will sich noch nicht festlegen, wie sie zu den Plänen der Baywa-Tochter steht – ob das auch am bevorstehenden Kommunalwahlkampf liegt, ist offen.
Ausnahmegenehmigung ist erforderlich
Die niederbayrischen Orte Wegscheid, Sonnen und Untergriesbach wären vom Windpark am stärksten betroffen, da einige Häuser innerhalb der vorgeschriebenen Abstandslinie lägen. Die vom damaligen CSU-Chef Horst Seehofer 2014 durchgesetzte sogenannte 10-H-Regel besagt, dass der Mindestabstand eines Windrades zur nächsten Wohnsiedlung mindestens das zehnfache der Bauhöhe des Windrades betragen muss.
Die geplanten Windräder sollen 230 bis 240 Meter hoch werden. Das würde mindestens 2,3 Kilometer Abstand erforderlich machen. Das wäre hier nicht so, berichten die Gegner. Einige Häuser würden nur 600 Meter entfernt stehen. Um auf dem Ruhmannsberg einen Windpark mit vier Windrädern bauen zu können, müsste der Stadtrat eine Ausnahmengenehmigung beschließen. Und genau das befürchten die Gegner.
Pachtverträge wurden bereits geschlossen
Die Bürgermeisterin betont, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, die Baywa r.e. noch nicht einmal einen Antrag gestellt habe. Die Windpark-Gegner argumentieren, das Unternehmen habe schon die benötigten Grundstücke auf dem Ruhmannsberg von den Eigentümern gepachtet. Darin sehen sie die ersten Schritte in Richtung Windpark. Ein Unternehmenssprecher bestätigt, dass Pachtverträge geschlossen wurden. Ein Genehmigungsantrag könnte frühestens 2021 eingereicht werden, da zuvor zahlreiche Gutachten erstellt werden müssen.
Die Windpark-Gegner bleiben skeptisch, ihr Verein habe schon mehr als 200 Mitglieder, berichten sie. Aus ihrer Sicht ist der Ruhmannsberg ein intaktes Stück Natur, das nicht zerstört werden dürfe. Zumal hier Sturmschäden ausbleiben. Der Eingriff in die Umwelt sei zu groß und der Ertrag durch die vier Anlagen zu gering. Zudem befürchten sie, dass weitere Windräder folgen könnten.
Die Sorge vor einem Umzug geht um
Es müssten nicht nur Bäume abgeholzt, sondern auch nahe einem Wasserschutzgebiet Betonfundamente gegossen werden. Hinzu kämen der Baustellenverkehr, Infraschall und das Geräusch der Rotoren – Themen die vielerorts in der Debatte um Windräder auftauchen. Die Windpark-Kritiker sehen den Verlust von Lebensqualität und den Werteverlust der Häuser. „Die Leute haben Angst, dass sie vielleicht wegziehen müssen“, sagt Roswitha Uhrmann, von der Gruppe „Gegenwind“.
Donaubauer will die Gemüter in und um Hauzenberg beruhigen: Es sei noch keine Entscheidung gefallen. „Ich habe keine Zusage gemacht, das steht mir auch nicht zu.“ Vielmehr müsse sich erst der Stadtrat damit befassen und dann eine Entscheidung treffen. Dafür müssen sämtliche Argumente gehört werden. Das erfordere Sorgfalt. „Ich sehe die Bedenken der Anlieger.“ Und sollte im Umfeld des Standortes ein Rotmilan oder eine Eule siedeln, würde auch das berücksichtigt, betont die Bürgermeisterin.
Bürgermeisterin sieht Nachholbedarf
Hauzenberg produziere lediglich 35 Prozent seiner verbrauchten Energie, im Landkreis Passau seien es 60 Prozent. Hier sieht Donaubauer grundsätzlich Nachholbedarf. Ob die Diskussion den Wahlkampf beeinflussen wird? „Das Thema ist eine Herausforderung“, antwortet Donaubauer. Es müsse alles abgewägt werden. Ihr eigenes Haus würde auch nahe am Windpark stehen, sagt sie. „Ich hätte keine Angst vor Windrädern." (dpa/bh)
