Der diplomierte Informatiker Lars Quiring ist seit 2000 Mitgründer und Co-Vorstand des energiewirtschaftlichen Datendienstleisters Get AG in Leipzig.

Der diplomierte Informatiker Lars Quiring ist seit 2000 Mitgründer und Co-Vorstand des energiewirtschaftlichen Datendienstleisters Get AG in Leipzig.

Bild: © Get AG

Von Mittwoch an ist das neue Preisvergleichs- und Versorgerwechselportal "Simplaro" für Strom und Erdgas mit und ohne Öko-Eigenschaften online. Das hat der Betreiber Get AG aus Leipzig angekündigt. Der Datendienstleister für die Energiebranche will schon länger in diese Richtung der Wertschöpfungskette expandieren, hatte er doch vor fast zwei Jahren aus der Unister-Insolvenzmasse preisvergleich.de aufgekauft und deren damals 13 Mitarbeiter übernommen.

Das "Simplaro"-Projekt nun ist eine größere Nummer als preisvergleich.de. Es ist nicht nur ein Frontalangriff auf die Marktführer Verivox/Toptarif und Check24, sondern auch ein ziemlich anderes Geschäftsmodell. Es erhebt einen höheren Verbraucherschutz-Anspruch, berücksichtigt aber auch ein nachhaltiges kommerzielles Interesse der Versorger:

  • Boni: Tarife mit Boni gibt es auf "Simplaro" nicht. So will die Get AG Lockvogel-Angebote ausschließen, die ein Angebot im ersten Lieferjahr billiger erscheinen lassen und so in der Trefferliste oben landen.
  • Dumping: Nur Endpreise, die nach Abzug der Abgaben, Netzentgelte und angenommenen Beschaffungskosten "mindestens kostendeckend" sind, werden aufgenommen. Wie das genau funktionieren soll, erläutert Get-AG-Vorstand Lars Quiring im Interview (siehe weiter unten).
  • Tarifgestaltung/Kleingedrucktes: "Simplaro" orientiert sich an Verbraucherschutz-Richtlinien, die für die Aufnahme unbedingt zu erfüllen sind. An welchen, erklärt wieder Lars Quiring. Der angebotene Preis muss zudem mindestens während der Mindestvertragslaufzeit garantiert sein. Die darf höchstens zwölf Monate betragen. Und spätestens binnen sechs Wochen danach darf der Verbraucher kündigen.
  • Ranking: Die Trefferlisten werden werbefrei sein. Das heißt, kein Vertrieb kann etwa oberhalb des Erstplatzierten eine Anzeige mit seinem Angebot schalten ("Platz-null-Buchung"). Und der Preis ist nicht das einzige Kriterium in der Empfehlungsreihenfolge. Die "einzigartige" Gewichtung? Siehe unten.
  • Geschäftsmodell: "Simplaro" verlangt für alle Vertriebe pro akquiriertem Kunden eine gleich hohe "Teilnehmergebühr". Sie wird nicht individuell ausgehandelt (zur Höhe: siehe Interview). Einer pauschalisierten Erfolgsprovision ist diese trotzdem ähnlich.

"Simplaro" startet mit vier Partnern, erfuhr die ZfK. Mit Sicherheit dabei:

  • die Stadtwerke Heidelberg Energie und
  • die Eon-Tochter E-wie-einfach.

Lob aus Heidelberg

Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Teigeler lobt, man schätze "das Konzept der fairen Vergleichbarkeit der Tarife". Richte sich ein Vergleichsportal an Verbraucherschutz-Richtlinien und an den Kundenbedürfnissen aus, so sei dies letztlich "eine Win-win-Situation für alle Beteiligten".

ZfK-Interview mit Get-AG-Vorstand Lars Quiring

ZfK: Herr Quiring, Sie greifen mit "Simplaro" etablierte Versorgerwechsel-Portale wie Verivox und Check24 an. Die haben mit teuren Werbekampagnen und mit Millionen Wechselprozessen über Jahre hinweg einen hohen Bekanntheitsgrad aufgebaut. Auch Sie wollen von Provisionen für Neukunden-Akquise leben. Wie werden Sie da glaubwürdig, wenn es etwa das Beste für den Endkunden wäre, bei seinem Altversorger zu bleiben?

Lars Quiring: Wir bedienen nicht die Zielgruppe, die die etablierten Portale bedienen, nämlich die jährlichen Versorgerhopper. Unsere zwei Hauptzielgruppen sind zum einen der nachhaltig denkende Kunde. Er ist nicht unbedingt wechselaffin und möchte einfach, dass er fair und ohne Ärger mit Strom und/oder Gas versorgt wird. Die zweite Zielgruppe sind zum anderen Verbraucher, die schlechte Erfahrungen mit anderen Portalen gemacht haben, weil sie letztlich draufgezahlt haben.

Wir provozieren keine Versorgerwechsel nach zwölf Monaten. Im Gegenteil: Wir lassen ja keine Boni irgendwelcher Art in die Preisberechnung einfließen. Statt individuell ausgehandelter Provisionen zahlt bei "Simplaro" außerdem jeder Energieanbieter die gleiche Gebühr für den Abschluss von Verträgen.

Bilden Sie auch keine Sofortrabatte ab?

Gar keine Boni irgendeiner Art.

Welche Rolle spielt der Preis in den Trefferlisten von "Simplaro"?

50 Prozent. Weitere 25 Prozent machen Qualitätsmerkmale aus, die Tarifkonditionen und der Service. Die letzten 25 Prozent sind die Kundenbewertungen, unser "Simplex"-Index.

Wie wollen Sie Dumping-Angebote konkret verhindern?

Wir legen eine realistische Beschaffungssituation zugrunde. Wir haben sie mit etwa 50 Energieversorgern diskutiert und es gab keinen Streit darüber. Sollte ein Anbieter günstiger beschafft haben, muss er uns das mit einem Wirtschaftsprüfer-Testat nachweisen. Dann akzeptieren wir das.

Zu den Tarifkonditionen: Wie buchstabieren Sie da "Verbraucherschutz"?

Wir orientieren uns an Veröffentlichungen der Stiftung Warentest und der Verbraucherzentralen.

Womit wollen Sie bei "Simplaro" Geld verdienen?

Wir verlangen – für alle Energievertriebe gleich, das ist nicht verhandelbar – 100 Euro pro akquiriertem Kunden, mindestens aber 20.000 Euro in Summe pro Versorger. Ab dem zweiten Versorgungsjahr sind 17 Euro pro Kunde fällig. Damit decken wir die Kosten der Kundenbefragungen und demonstrieren, dass langfristige Kundenbeziehungen auch in unserem Interesse sind.

Das bedeutet, dass ein Energieversorger über "Simplaro" mindestens 200 Kunden im ersten Jahr akquirieren muss, sonst zahlt er pro Kunde noch mehr als 100 Euro, und die amortisieren sich im ersten Jahr noch nicht. Das wird sich für kleine Stadtwerke nicht rechnen.

Der Teilnehmerbeitrag ist nicht an ein Jahr gebunden. Es ist egal, wie lange es dauert, bis der Versorger die entsprechende Anzahl Verträge abgeschlossen hat. Es sind also immer 100 Euro pro Kunde.

Werden Versorger, die mit Ihnen keinen "Partnervertrag" schließen, wirklich gleichbehandelt?

Sie werden genauso aufgenommen, wenn ihre AGB den Verbraucherschutz-Richtlinien entsprechen und sie eine gute Bonität haben. Aber natürlich bekommen wir nur Bewertungen von Kunden, die über uns wechseln. Nichtteilnehmende Energieversorger bekommen also bei uns in der Tat keinen "Simplex"-Wert.

Wie messen Sie die Bonität von Versorgern?

Wir arbeiten mit Creditreform Leipzig Niedenzu zusammen.

Die Fragen stellte Georg Eble

Das vollständige Interview mit Lars Quiring wird am 30. Januar in der gedruckten ZfK-Ausgabe erscheinen. Darin beantwortet der Get-AG-Vorstand auch kritische Fragen

  • zu dem Betrachtungszeitraum der Endpreise,
  • zur Aussagekraft von Kundenbewertungen,
  • zum Zeitpunkt des Markteintritts von "Simplaro" und
  • zum Endpreisniveau auf dem neuen Portal im Vergleich zu dem der Marktführer.
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