Jeder geeignete Neubau in Niedersachen soll nach Vorstellung der Grünen künftig verpflichtend mit einem Solardach ausgestattet werden. Eine entsprechende Regelung müsse in der Landesbauordnung verankert werden, forderte die Grünen-Energiepolitikerin Imke Byl am 22. Juli. "Solaranlagen auf Dächern bieten die Chacne, Energie dort zu produzieren, wo sie gebraucht wird", betonte Byl (Grüne).
Private Hausbauer könnten davon langfristig dank günstigerer Strompreise profititeren. Wer keine eigene Solaranlage wolle solle seine Dachfläche verpachten. Stadtwerke oder Genossenschaften für Bürgerenergie übernähmen dann die Planung der Anlage. Die Solarpflicht soll sowohl für private als auch gewerbliche Neubauten gelten. Zudem fordern die Grünen, bis 2025 alle geeigneten landeseigenen Dachflächen für Solarthermie oder Photovoltaik zu nutzen. Auf Bundesebene müsse sich das Land dafür einsetzen, die Sonnensteuer auf Photovoltaik-Eigenverbrauch sowie den Deckel für die Förderung des Solarausbaus abzuschaffen.
Kritische Stimmen von der FDP
Eine Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Haus rechne sich für den Eigentümer etwa nach 10 bis 15 Jahren, sagte die Grünen-Abgeordnete Byl. Die FDP lehnte die Forderung nach einer Solarpflicht ab. Wer ein Haus baue, solle frei entscheiden können, welche Energie er beziehe, sagte FDP-Umweltpolitiker Horst Kortlang.
Der Ausbau der Solarenergie war in Niedersachsen zuletzt wieder gestiegen, wie Zahlen der Klimaschutz- und Energieagentur (KEAN) zeigen: 2018 wurden rund 208 Megawatt Leistung neu installiert, ein Plus von 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben von Imke Byl könnten in Niedersachsen bereits 28.600 Hektar Dachfläche für Solarenergie genutzt werden. Das entspreche einer möglichen Leistung von 57 Gigawatt.
Niedersachsen auf vierten Platz
Tatsächlich liegt die bis Ende 2018 installierte Gesamtleistung von Solardächern in ganz Deutschland aber erst bei 45,9 Gigawatt, davon knapp 4 Gigawatt in Niedersachsen. Im bundesweiten Vergleich liegt das Land damit hinter Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf Platz vier.
Die Solarbranche fürchtet allerdings einen Rückschlag beim Ausbau. Bereits in wenigen Monaten drohe ein Investitionsstopp für Solarstromdächer, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverands Solarwirtschaft (BSW), Carsten Körnig. Hintergrund ist der 2012 im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Förderstopp beim Erreichen einer bundesweiten Gesamtleistung von 52 Gigawatt. Diese Marke könnte bei konstanten Ausbau schon 2020 erreicht werden. (dpa/bh)