"Photovoltaik und Wasserkraft sind schon jetzt vielenorts kostengünstiger als die konventionelle Energieerzeugung. Wir rechnen damit, dass es bis in fünf Jahren sogar günstiger sein wird, bestehende fossile Erzeugungsanlagen stillzulegen und stattdessen neue erneuerbare Anlagen zu bauen". Dies unterstrich Francesco La Camera, der neue Generaldirektor der International Renewable Energy Agency (IRENA) am Montagabend bei der Auftaktpressekonferenz des "Berlin Energy Transition Dialogue 2019" der Bundesregierung in Berlin.
Deshalb müsse es nun darum, gehen die erneuerbare Stromerzeugung noch stärker auszubauen und diese auch für die Sektorenkopplung, sprich den Wärme-, Verkehrs- und Industriesektor über E-Mobilität, Power-to-Heat und Power-to-X zu nutzen, so Camera. "Durch die Kombination erneuerbarer Energien mit einer verstärkten Elektrifizierung könnten 75 Prozent der nötigen energiebezogenen Emissionsminderungen erreicht werden", sagte er.
Bis zu 160 Billionen US-Dollar Einsparungen
In ihrem jüngsten Bericht "Global Energy Transformation: A Roadmap to 2050", hält es IRENA für möglich, 86 Prozent des weltweiten Strombedarfs erneuerbar zu decken. Elektrizität würde dabei die Hälfte des globalen Energiemixes abdecken, vor allem über Photovoltaik und Windkraft. Die weltweite Stromversorgung würde sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln.
"Die verstärkte Elektrifizierung und Umstellung auf erneuerbare Energien rechnet sich", betonte Camera. Jeder Dollar, der für die Energiewende ausgegeben wird, zahle sich bis zu siebenmal aus. Eine schnellere Energiewende würde der Weltwirtschaft durch vermiedene Gesundheitskosten, Energiesubventionen und Klimaschäden in den nächsten 30 Jahren bis zu 160 Billionen US-Dollar einsparen. Die Weltwirtschaft würde so um 2,5 Prozent wachsen. Wegfallende Arbeitsplätze im fossilen Bereich könnten durch neue Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieflexibilität mehr als ausgeglichen werden. Insgesamt würden neue Arbeitsplätze im Energiesektor die weltweite Beschäftigung um 0,2 Prozent erhöhen.
Jährlich zwei Prozent des BIP in das Energiesystem investieren
Die zusätzlichen Investitionen, die nötig sind, um die Welt auf einen klimafreundlicheren Weg zu bringen als die derzeitigen Planungen vorsehen, sind allerdings mit rund 15 Billionen US-Dollar bis 2050 erheblich. "Dies ist eine beträchtliche Summe, die jedoch um Vergleich zu früheren Analysen um mehr als 40 Prozent geringer ausfällt, was größtenteils auf die rasch sinkenden Kosten für erneuerbare Energien sowie auf die Möglichkeiten zur Elektrifizierung des Verkehrs und anderer Endverbraucher zurückzuführen ist", heißt es in dem neuen IRENA Bericht. Insgesamt müssten die Gesamtinvestitionen in das Energiesystem bis 2050 circa 110 Billionen US-Dollar erreichen, was rund 2 Prozent des durchschnittlichen jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis dahin entspricht.
Nun käme es darauf an, die nötigen Investitionen auf den Weg zu bringen, politisch die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und die Menschen dabei mitzunehmen, unterstrich Camera. (hcn)