Der Anruf kann jederzeit erfolgen, deshalb ist die Schaltzentrale des Steinkohlekraftwerks Mehrum voll besetzt. Hinter den Monitoren sitzen Experten und überwachen die Zentrale, deren Bau vor mehr als 40 Jahren umgerechnet 500 Mio. Euro verschlang. Auf der Anzeige mit der aktuellen Stromleistung flimmert eine Null. Das Hochfahren aus Kapazitätsgründen im Netz kann kurzfristig erforderlich werden.
Obwohl das Kraftwerk bei Hannover seit dem vergangenen Frühjahr aus wirtschaftlichen Gründen fast durchgängig außer Betrieb ist. Am Montag wurde das Kraftwerk zunächst für eine Woche wieder angefahren, auch für anstehende Prüfungen und Abnahmen.
Hoffnung auf den Atomausstieg
Das Kalkühl dahinter: Nach Einschätzung von Experten rechnet das Unternehmen nach dem deutschen Atomausstieg zumindest vorübergehend wieder mit einem steigenden Bedarf an Kohlestrom, was den Betrieb solcher Kraftwerke wie in Mehrum lukrativ machen könnte. Sicher vorhersagen kann das noch niemand, wie auch im Abschlussbericht zum Kohlekompromiss beschrieben wird.
Obwohl für einzelne Steinkohlekraftwerke noch keine Abschalttermine feststehen, sehen die rund 120 Beschäftigten in Mehrum die Zukunft mit Sorge. Zunächst bis zum Frühjahr kommenden Jahres, so sagt der Kraftwerkssprecher, sei der Erhalt gesichert, dann wolle der Betreiber im Jahresrhythmus weiterschauen. 2017 erst hatte die expandierende tschechische EPH das kommunale Kraftwerk übernommen. (gun/dpa)
