O'zapft is: Helge-Uve Braun (rechts), Technischer Geschäftsführer der SWM, und Josef Daldrup, Vorstandsvorsitzender der Daldrup & Söhne AG, vor der Geothermieanlage, die sich mitten in München durch den Untergrund bohrt.

O'zapft is: Helge-Uve Braun (rechts), Technischer Geschäftsführer der SWM, und Josef Daldrup, Vorstandsvorsitzender der Daldrup & Söhne AG, vor der Geothermieanlage, die sich mitten in München durch den Untergrund bohrt.

Bild: © SWM

Ein wummerndes Bohrgeräusch überlagert den Energiestandort Heizkraftwerk Süd der Stadtwerke München. Hier entsteht die neue Geothermieanlage – mit 50 Megawatt die größte in Deutschland. Die Anwohner ringsum bekommen davon allerdings nichts mit, die Stadtwerke München setzen auf ein ausgeklügeltes Lärmvermeidungskonzept. Laufende Messungen sollen Lärmquellen sofort aufspüren, um diese anschließend steuern zu können. Zudem ist die Bohranlage im Vergleich zu anderen besonders leise. Gut sichtbare Lärmschutzwände schützen ebenfalls. Hinzu kommt noch eine angepasste Baustellenlogistik: Lärmintensive Liefer- und Abladevorgänge finden fast ausschließlich tagsüber statt.

Gearbeitet wird hier allerdings Tag und Nacht, schließlich muss beispielsweise die Zusammensetzung des Bohrwassers ständig überprüft werden. Denn je nach Bodenschicht ist eine andere chemikalische Zusammensetzung nötig. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag startete der mit Industriediamanten bestückte Bohrkopf seine Arbeit. Insgesamt sollen sechs Bohrungen vom Standort HKW Süd sternförmig in eine Tiefe von 2800 bis 3100 Metern "abgeteuft" werden. Nach 900 Bohrmetern werden diese zudem horizontal abgelenkt, um so die Wärmeausbeute möglichst effizient zu gestalten. Zudem müssen Förder- und Injektionsbohrung im Tiefengrundwasserleiter mehr als 1200 Meter auseinanderliegen – sonst kann es zum sogenannten hydraulischen Kurzsschluss kommen. Das heißt, das in den Untergrund zurückgeleitete, abgekühlte Wasser wird sonst erneut über die Förderbohrung gehoben.

Leuchtturm für die Tiefe Geothermie

Das Ablenken der anfangs geraden Bohrung sei eine der größten Herausforderungen, erklärt Josef Daldrup, Vorstandsvorsitzender von Daldrup & Söhne. Sein Unternehmen ist europaweit tätig. Das Projekt mit den Münchnern habe Leuchtturmcharakter, diese liege an dem Umfang im innerstädtischen Bereich. Auch die SWM betreten Neuland: Zum ersten Mal bohrt der Kommunalversorger mitten in München. In Riem nutzen die Münchner die Tiefe Geothermie bereits zur Wärmeversorgung seit 2004. Ihr Geothermie-Heizkraftwerk für Strom und Wärme in Sauerlach ging 2013 in Betrieb, 2016 die Geothermieanlage für Wärme in Freiham. Im selben Jahr erwarben die SWM zwei weitere Geothermie-Kraftwerke für Strom in Dürnhaar und in Kirchstockach.

Bis Ende 2019 sollen die Bohrarbeiten am Heizkraftwerk Süd abgeschlossen sein. Dann wird die Heizzentrale errichtet, in der die Technik untergebracht wird. Im Anschluss beginnen Langzeitpumpversuche und die Feinjustierung der Anlage, die 2020 endgültig ans Netz gehen soll. Ziel der SWM ist es, München bis 2040 zur ersten deutschen Großstadt zu machen, in der die Fernwärme zu 100 Prozent aus regenerativen Energien gewonnen wird. Die Geothermie soll dazu einen wesentlichen Beitrag liefern. (sg)







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