„Wir müssen uns keine Sorgen machen über die Versorgungssicherheit in Deutschland, doch wir müssen die Herausforderungen ernst nehmen bei einem Übergang zu einem immer dezentraleren System“. Dies unterstrich Achim Zerres, Abteilungsleiter Energie bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) am heutigen Donnerstag bei einem Panel „Investitionen in Energienetze - Was zählt?“ im Rahmen des BDEW-Kongresses „Wir.Machen.Möglich“ in Berlin.
Welche Investitionen hierfür bei Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreibern nötig sind, machten Egon Westphal, Vorstand beim Bayernwerk, und Stefan Kapferer, Vorstandsvorsitzender von 50Hertz deutlich. So wurden allein beim Bayernwerk in den vergangenen Jahren 300.000 neue dezentrale erneuerbare Anlagen ans Netz angeschlossen, im gesamten Eon-Verteilnetz waren es 800.000 entsprechende Anlagen.
Enormer Investitionsbedarf für Verteil- und Übertragungsnetze
Die nötigen Netzinvestitionen hierfür erhöhten sich in den vergangenen Jahren laut Westphal bei Eon um 50 Prozent. Westphal verwies auch auf eine Dena-Studie, demnach auf Verteilnetzebene bis zum Jahr 2050 bis zu 250 Milliarden Euro Investitionen erforderlich sind.
Laut Kapferer wird 50Hertz in den kommenden zehn Jahren jährlich 1 Mrd. Euro in den Netzausbau investieren, alle vier Übertragungsnetzbetreiber laut dem Netzentwicklungsplan der BNetzA rund 61 Milliarden Euro bis 2030.
Netzinvestitionen auch Konjunkturmotor
Es sei zu kurz gegriffen, diese Investitionen nur als finanzielle Belastung für die Netznutzer, sprich Stromkunden, zu sehen, so der Tenor. Denn zum einen seien sie nötig, um die Energiewende zu schultern, zum anderen nutze dies auch der heimischen Wirtschaft und kurble die Konjunktur an. So verwies Kapferer darauf, dass die Kabel, welche 50Hertz für 2,5 Milliarden Euro für Südlink beschafft, in Köln gefertigt werden.
Auch von Investitionen in Masten, Korrosionsschutz, Tiefbaumaßnahmen oder Ladeinfrastruktur profitierten heimische oder örtliche Firmen. Auf rund 2000 Stück jährlich bezifferte Bayernwerk-Vorstand Westphal den Bedarf seines Unternehmens für intelligente Ortsnetzstationen, was ebenfalls der heimischen Wertschöpfung zugute komme.
EZ-Zins weiterhin Top-Thema
Deutlich wurde, dass bei der Finanzierung die Höhe der Eigenkapitalverzinsung (EK) weiterhin das zentrale Thema ist. Einig waren sich Zerres und die Vertreter der Netzbetreiber darüber, dass die Branche planbare Rahmenbedingungen braucht und die Verzinsung „angemessen“ sein muss. Doch wie hoch der Zinssatz sein sollte, dazu wollten sich bei der Podiumsdiskussion niemand äußern.
Kapferer verwies jedoch darauf, dass das jetzige System im Rahmen der Anreizregulierung dazu führe, dass der EK-Zins kontinuierlich sinke, was Investitionen gefährde. Zudem sei das Refinanzierungssystem über einen langen zeitlichen Rahmen angelegt, der Finanzierungsbedarf im Netzbereich jedoch nun kurzfristig und dringlich.
"Nicht mehr ein Jahr damit warten"
„Es geht hier nicht um einen Wunschkasten für Unternehmen, sondern um nötige gemeinsame Anstrengungen“, betonte Westphal. Zudem bestehe die Gefahr, dass wenn der EK-Zins zu niedrig sei, Investitionen in die Netze nicht erfolgen könnten, was dann auch wieder höhere Kosten, beispielsweise beim Redispatch nach sich ziehe.
Bauchschmerzen macht den Netzbetreibern auch, dass die Festlegung des EZ-Zinses für die anstehende vierte Regulierungsperiode laut Zerres nach mindestens ein Jahr dauern wird. „Wir sollten nicht mehr ein Jahr damit warten, denn wir brauchen ja bald Investitionssicherheit“, sagte Kapferer. Doch zeigte er sich zuversichtlich für eine Einigung mit der der BNetzA. „Ich glaube, am Ende finden wir zusammen“, unterstricht auch Westphal. Und auch Zerres betonte, dass er zuversichtlich sei, gemeinsam eine vernünftige Lösung finden zu können. (hcn)
