Die Bundesregierung will Stromtrassen schneller ausbauen. (Symbolbild)

Die Bundesregierung will Stromtrassen schneller ausbauen. (Symbolbild)

Bild: © Henning Kaiser/dpa

Wegen eines erwarteten Netzengpasses sollten die Menschen in Baden-Württemberg nach Möglichkeit am Freitagabend Strom sparen. Für die Zeit von 21.00 bis 23.00 Uhr empfahl der Netzbetreiber TransnetBW, stromintensive Geräte wie Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspüler auszuschalten oder aufs Laden eines Elektroautos zu verzichten. 

"Wenn dadurch der Stromverbrauch während des Engpasses ausreichend sinkt, muss perspektivisch weniger teurer und CO2-intensiver Strom aus dem Ausland bezogen werden", hieß es. Die Stromversorgung an sich ist nicht in Gefahr. 

Viel Windenergie aus dem Norden

Anlass des Aufrufs war den Angaben nach eine am Freitagabend erwartete Front mit viel Wind. Diese werde dazu führen, dass in Norddeutschland mehr Windenergie ins Netz gespeist wird, erläuterte der Energiekonzern in Stuttgart. 

Weil die Stromnetze noch nicht ausreichend ausgebaut sind, muss im Süden aus technischen Gründen gegengesteuert werden, indem zum Beispiel Reservekraftwerke in Betrieb gehen oder Strom aus dem Ausland zugekauft wird. Solche Ausgleichsmaßnahmen (Redispatch) verursachen Kosten, die über die Endverbraucher über Netzentgelte mitbezahlen.

Stau im Stromnetz

Engpässe entstehen im Zuge der Energiewende häufiger, weil die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, die Infrastruktur für den Stromtransport aber noch nachziehen muss. Redispatch-Maßnahmen sollen die Netzstabilität sichern. 

Physikalisch ist es so, dass elektrischer Strom nicht gezielt durch das Leitungsnetz gelenkt werden kann, sondern - ähnlich wie Wasser - den Weg des geringsten Widerstands nimmt. Bildet sich an einer Stelle ein Engpass, weil dort beispielsweise zwar viel Strom eingespeist wird, die Leitungen aber für den Weitertransport nicht ausreichen, gibt es eine Art Stau auf den überlasteten Leitungen - und der Strom fließt über andere Wege ab.

Wenn ein solcher Engpass droht, werden laut Bundesnetzagentur Kraftwerke auf der einen Seite des Engpasses angewiesen, ihre Einspeisung zu drosseln. Anlagen auf der anderen müssen ihre Einspeiseleistung erhöhen. "Auf diese Weise wird ein Lastfluss erzeugt, der dem Engpass entgegenwirkt."

Verzicht auf 75.000 Waschmaschinen-Gänge?

Nach früheren Angaben machen Privathaushalte rund ein Viertel des Stromverbrauchs aus. Privatpersonen könnten daher einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Stromnetzes leisten, indem sie Strom sparen oder den Verbrauch verschieben. 

Der Erfolg der Stromspar-Aufrufe über die App ist bisher aber kaum messbar. Einen spürbaren Effekt gäbe es laut TransnetBW, wenn in einer zweistündigen Phase etwa 75.000 Waschmaschinen-Gängen ausbleiben.

Stromspar-Aufruf via App selten

Für den Abend war eine Warnung mit dem Status "Orange" angekündigt, die auf den prognostizierten Netzengpass hinweise. Nutzerinnen und Nutzer wurden per Push-Benachrichtigung informiert und mit Stromspar-Tipps versorgt.

"Nicht jeder Netzengpass führt zu einer Orange-Auslösung", erklärte TransnetBW. Voraussetzung sei die Verfügbarkeit von Kraftwerken: "StromGedacht" schalte dann auf Orange, wenn die Stromerzeugungskapazitäten aus Kraftwerken in Baden-Württemberg und Bayern, die ohnehin am Markt sind, voraussichtlich nicht ausreichen. Dies sei dann der Fall, wenn sie weniger als 500 Megawatt (MW) elektrische Leistung zur Behebung des Netzengpasses zur Verfügung stellen können. (dpa/amo)

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