Die Entgelte für die Nutzung der Stromnetze werden im kommenden Jahr laut Berechnungen des Online-Vergleichsportals Check24 im bundesweiten Durchschnitt um sieben Prozent steigen. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh bedeutet das eine zusätzliche finanzielle Belastung von 26 Euro pro Jahr. Die größten Steigerungen wird es im Norden Deutschlands geben. Die Bewohner von Schleswig-Holstein zahlen elf Prozent mehr für die Netznutzung, in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern betrrägt das Plus neun Prozent. "Die bereits veröffentlichten Netznutzungsentgelte und die neue EEG-Umlage sind Vorboten für neue Rekordstrompreise im kommenden Jahr", sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei Check24.
Enet-Zahlen bestätigen deutlichen Anstieg der Stromnetzentgelte
Im bundesweiten Durchschnitt zahlt ein Musterhaushalt 2020 deutschlandweit im Schnitt 420 Euro für die Netznutzung, in Schleswig-Holstein fallen mit 593 Euro die höchsten Gebühren an, gefolgt von Brandenburg (506 Euro) undin Mecklenburg-Vorpommern (498 Euro). Die niedrigsten Netznutzungsentgelte zahlen im kommenden Jahr die Bremer mit durchschnittlich 313 Euro. Erste Erhebungen zu den vorläufigen Stromnetzentgelten des Informationsdienstleisters Enet bestätigen diesen Trend hin zu einem deutlichen Anstieg. Ein Familienhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3.500 kWh zahlt demnach künftig rund 6 Prozent mehr, das entspricht Mehrkosten von 16,80 Euro. Die Durchleitung einer Kilowattstunde an diese Kunden im kommenden Jahr kostet demnach 8,39 ct gegenüber aktuell 7,91 ct.
Deutliche Senkung in Lichtenau, starker Anstieg in Heiligenhaus
Die größten Senkungen haben laut dem aktuellen Enet-Newsletter die Gemeindewerke Markt Lichtenau (Bayern) angekündigt. Hier sinken die Kosten um -18,7 Prozent von 9,58 ct/kWh auf 7,82 ct/kWh. Auch bei den Stadtwerken Stockach (Baden-Württemberg) ist eine finanzielle Entlastung zu erwarten. Hier werden die Durchleitungskosten um -10,6 Prozent gesenkt: von 9,57 ct/kWh auf 8,56 ct/kWh. Höhere Netznutzungsentgelte haben hingegen Kunden der Stadtwerke Heiligenhaus (Nordrhein-Westfalen) zu erwarten. Der Anbieter erhöht seine Kosten von 7,52 ct/kWh auf 8,74 ct/kWh (+16,1 Prozent). Eine prozentuale Erhöhung von ebenfalls 16,1 Prozent haben die Stadtwerke Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) angekündigt. Die Abgabe steigt hier von 7,18 ct/kWh auf 8,34 ct/kWh.
Zu den Netzbetreibern mit den günstigsten Gebühren für einen Abnahmefall von 3.500 kWh zählen die Stadtwerke Weiden in der Oberpfalz (Baden-Württemberg). Hier wird der Preis um -2,9 Prozent von 5,22 ct/kWh auf 5,07 ct/kWh gesenkt.m Netzgebiet der Gemeindewerke Stammbach (Bayern) müssen Familienhaushalte am tiefsten in die Tasche greifen. Auch wenn die Kosten um -1,31 Prozent gesenkt wurden, zahlen Kunden mit 12,04 ct/kWh hier im bundesdeutschen Durchschnitt am meisten (vorher 12,20 ct/kWh). Die Schleswig-Holstein Netz veranschlagt mit 11,63 ct/kWh ebenfalls recht hohe Netznutzungskosten. Im Vergleich zum laufenden Jahr (10,57 ct/kWh) bedeutet dies eine Steigerung um 10,1 Prozent.
Starke regionale Unterschiede bei Gasnetzentgelten
Bei den Gasnetzentgelten rechnen die Internet-Portale Check24 und Verivox im bundesweiten Durchschnitt mit Steigerungen von zwei oder drei Prozent. Dabei gibt es laut Verivox starke regionale Unterschiede von plus zwölf Prozent in Hamburg bis zu minus neun Prozent im Saarland. Bei Check24 sehen die regionalen Zahlen etwas anders aus. Beide Internet-Portale arbeiten mit vorläufigen Daten der großen Verteilnetzbetreiber; einen kompletten Überblick für das nächste Jahr gibt es noch nicht.
Die Netzentgelte machen rund ein Viertel des Gaspreises aus. Die höchsten Netzgebühren zahlen mit 511 Euro pro Jahr die Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern, die niedrigsten mit 294 Euro die Gaskunden in Berlin. Der Gaspreis ist für die Endverbraucher nach jahrelangem Rückgang seit dem vergangenen Herbst wieder gestiegen. Seit Jahresbeginn sind die Import- und die Großhandelspreise kräftig gefallen, um rund ein Drittel. Die Experten erwarten dennoch auch in absehbarer Zeit keine Gaspreissenkungen für die Endkunden auf breiter Front. (hoe)



