Land und Kommunen sollten bei einer Ausbauoffensive für Erneuerbare an einem Strick ziehen, fordert die Branche im Südwesten.

Land und Kommunen sollten bei einer Ausbauoffensive für Erneuerbare an einem Strick ziehen, fordert die Branche im Südwesten.

Bild: © Geniusksy/Shutterstock

Die großen Versorger haben viel vor im Rahmen der Energiewende, wie sich einmal mehr auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel zeigt. Sowohl EWE Erneuerbare Energien als auch RWE Renewables wollen ihre Portfolios kräftig ausbauen. Damit diesen ambitionierten Pläne Taten folgen können, braucht es jedoch die richtigen Weichenstellungen aus der Politik.

Die größten Baustellen im EEG 2021  identifizieren beide Unternehmen bei den unsicheren Ausbaupfaden, den schleppenden Genehmigungsverfahren sowie den fehlenden Repowering-Möglichkeiten. Katja Wünschel COO Wind Onshore & PV Europe & APAC bei RWE Renewables sieht z.B. eine Chance in den typoffenen Genehmigungen, wie sie in Schweden Gang und Gebe sind, für mehr Planungssicherheit und gleichzeitig mehr Flexibilität beim Zubau von Windkraftanlagen.

Pro Differenzverträge

Aber auch die Finanzierung der Energiewende könnte aus Sicht von Wünschel und Kollegen marktorientierter stattfinden. Differenzverträge, hierzulande viel diskutiert und in anderen Ländern bereits erfolgreich in der Praxis, könnten das EEG-Konto und damit die Verbraucher entlasten, und gleichzeitig für mehr Planungssicherheit bei den Investoren sorgen.

Beim BMWi stößt dieses Modell bisher jedoch weitgehend auf Ablehnung. Eine Finanzierung abseits des EEGs bieten PPAs, hier steckt der deutsche Markt aus Sicht der Diskussionsteilnehmer jedoch noch in den Kinderschuhen. Vor allem EWE will das ändern, die Oldenburger planen mit Enercon ein Joint-Venture zu gründen, um einer der größten Grünstromanbieter in Deutschland zu werden. Auch die Direktvermarktung soll bei der neuen Firma angesiedelt sein, so Georg Boie, Geschäftsführer der EWE Erneuerbare Energien.

PPAs haben es bei Altanlagen aktuell schwerer

Wünschel von RWE wiederum sieht PPAs ebenfalls als Trend, jedoch allein über marktgetriebene Ansätze werde man die Volumina für die EU-Klimaziele 2050 nicht in den Markt bringen. Hierfür sei der Ertrag einzelner Standorte in Kombination mit den Absicherungsmechanismen im Rahmen von PPAs nicht ausreichend genug. Auch Björn Broda Vice President Renewable Energies Germany bei Juwi sieht große Chancen beim Thema PPAs. Allerdings seien diese derzeit vor allem für PV-Neubauprojekte interessant, da die Vergütung für Windkraftanlagen nach dem EEG noch zu attraktiv seien.

Auch für Altanlagen sei das neue Ausschreibungsdesign für eine Anschlussvergütung im EEG 2021 deutlich verlockender als in die sonstige Direktvermarktung zu wechseln.  Damit stünde die Direktvermarktung schlechter als die staatlichen Subventionen, moniert Broda. Auch dem Repowering stehen verschiedene Hürden im EEG 2021 im Weg. So sei für über 50 Prozent der Standorte gar kein Repowering möglich, solange diese nicht rechtssicher als Vorranggebiete ausgewiesen sind, so Broda weiter.

Akzeptanzmaßnahmen haben hohe Zustimmung

In einem sind sich die Sprecher jedoch alle einig: Die Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung im EEG 2021 seien ein wirklicher Meilenstein für Bürger und Kommunen. Alle Unternehmen haben mit Bürgerbeteiligung oder Bürgerstromtarifen positive Erfahrungen gemacht und befürworten nun den Schritt der Bundesregierung. (lm)

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