Die Kosten für Offshore-Windanlagen sinken weiterhin deutlich. Die Auktionen des letzten Jahres, die im Vereinigten Königreich, in Frankreich sowie den Niederlanden staffanden, lieferten den Verbrauchern Preise zwischen 40 und 50 Euro pro Megawattstunde. Diese günstige Preisentwicklung wirkt sich positiv auf den Zubau neuer Anlagen aus: In Europa wurden im Jahr 2019 3,6 Gigawatt neue Offshore-Windkapazität installiert, wie aus einer vom Branchenverband WindEurope veröffentlichten Statistik hervorgeht.
Giles Dickson, CEO von Windeurope, sagt dazu: „Die Auktionspreise haben gezeigt, dass der Bau von Offshore-Windkraftanlagen jetzt billiger ist als neue Gas- oder Kohlekraftwerke. Mehrere Regierungen haben den Betrag, den sie bauen wollen, erhöht. Letztes Jahr um diese Zeit haben wir uns 76 Gigawatt bis 2030 vorgenommen. Jetzt sind es 100 Gigawatt.“ Dickson weist zugleich darauf hin, dass in Europa bis 2030 jährlich neue Offshore-Windkraftanlagen mit einer Kapazität von sieben Gigawatt, bis 2050 müsse diese Kapazität auf 18 Gigawatt steigen.
Wachsende Leistung
3,6 Gigawatt - dies ist trotzdem ein neuer Rekord bei den jährlichen Installationen. Zehn neue Offshore-Windparks in fünf Ländern gingen im vergangenen Jahr in Europa ans Netz. Fast die Hälfte der neuen Kapazität entfiel mit 1,7 Gigawatt auf Großbritannien. Danach folgten Deutschland mit 1,1 Gigawatt, Dänemark mit 374 Megawatt sowie Belgien mit 370 Megawatt. Europa verfügt damit insgesamt über 22 Gigawatt Offshore-Windenergie. Drei Viertel davon entfallen auf Großbrtiannien und Deutschland. Dänemark, Belgien und die Niederlande teilen sich fast den gesamten Rest.
Die durchschnittliche Leistung der im letzten Jahr installierten Offshore-Turbinen betrug 7,8 Megawatt. Sie hat sich im letzten Jahrzent Leistung hat sich verdoppelt – 2010 betrug sie 300 Megawatt, jetzt sind es über 600 Megawatt. Der größte Offshore-Windpark ist Hornsea 1 in Großbritannien mit 1,2 Gigawatt. 2019 wurden auch Investitionsentscheidungen für vier neue Offshore-Windparks getroffen, die eine Kapazität von 1,4 Gigawatt und Investitionen in Höhe von sechs Milliarden Euro umfassen.
Masterplan gefordert
Dickson nimmt angesichts der sinkenden Preise bei der Windkraft die EU-Kommission in die Pflicht: „Die größeren Zahlen sind machbar und erschwinglich. Die neue Offshore-Windstrategie der EU im Green Deal sollte klar darlegen, wie die für 450 Gigawatt erforderlichen Investitionen mobilisiert werden können.“
Er forderte einen Masterplan, in dem erstens die Offshore- und Onshore-Netzanschlüsse entwickelt und zweitens die maritime Raumplanung gelenkt werden: „Dies wird eine immer engere Zusammenarbeit zwischen den Regierungen in der Nord- und Ostsee erfordern. Und dies sollte auch das Vereinigte Königreich einschließen.“ (sig)
