Das Post-EEG-Zeitalter wird kompliziert – vor allem für die PV-Kleinanlagen der ersten Generation, die meist unter 7 kwP liegen und auf Volleinspeisung ausgelegt sind. Der Referentenentwurf zur EEG-Novelle sieht neben einer Auffanglösung künftig den stärkeren Eigenverbrauch vor.
Das könnte teuer werden, denn damit keine einzige kWh ins Netz gelangt müssen die Anlagen entweder einen Leistungsbegrenzer oder Speicher installieren oder ihren Überschussstrom direktvermarkten und hierfür einen Smart Meter einbauen lassen. Agora Energiewende schlägt in der Studie „Wie weiter nach der EEG-Förderung? Solaranlagen zwischen Eigenverbrauch und Volleinspeisung“ gemeinsam mit dem Regulatory Assistance Project nun eine weniger kostenintensiven und aufwendigen Ansatz für den Eigenverbrauch vor.
Standardlastprofile inklusive solarem Eigenverbrauch
So soll das System der Standardlastprofile um Prosumer-Standardlastprofile erweitert werden. Standardlastprofile sind seit Jahrzehnten ein bewährtes Instrument in der Strombeschaffung für Haushalts- oder Gewerbekunden. Künftig soll in das Lastprofil auch der Eigenverbrauch des Solarstroms einbezogen werden. Nötig wäre dafür nur eine Neuverdrahtung des Hausanschlusskastens in der gleichen Weise, wie sie bei den meisten neuen Kleinanlagen erfolgt, die auf Eigenverbrauch und Überschusseinspeisung optimiert sind.
Im Summenlastgang spiegelt das Standardlastprofil dann den Nettostromverbrauch wieder, was auch zu die Übereinstimmung von Erzeugung und Verbrauch der Energiemengen verbessern könnte. „Weil mein Stromvertrieb gar nicht weiß, dass ich eine Solaranlage betreibe, beschafft er auch dann Strom für mich, wenn ich diesen gar nicht verbrauchen kann, weil gerade die Sonne scheint“, erklärt Andreas Jahn vom Regulatory Assistance Project. „Diese unnötig beschafften Mengen müssen ausgeglichen werden – im schlimmsten Fall werden sie vernichtet. Das ist wirtschaftlich und ökologisch komplett unsinnig.“
Ansatz sehr begrenzt
Durch die angepassten Standardlastprofile können Doppelbeschaffungen vermieden werden. Abweichungen zwischen Prosumer-Standardlastprofil und tatsächlichem Stromverbrauch sollen durch die jährliche Aktualisierung der Lastprofile vermieden werden. Zudem sollen Differenzbilanzkreise transparent und aktiv bewirtschaftet werden.
Die Studienautoren weisen aber auch darauf hin, dass ihr Ansatz nur für Anlagen unter sieben kWp und für einfache Anwendungsfälle geeignet ist. „Das Prinzip kommt an seine Grenzen, wenn jemand ein Elektroauto, einen Stromspeicher oder eine Wärmepumpe mit seinem eigenen Solarstrom betreibt. Diese Anwendungsfälle sind kaum in einer generellen, statistischen Betrachtung zu fassen, deshalb kommt man hier nicht um den Einsatz eines Smart Meters herum. Dann lohnt er sich aber auch“, sagt Jahn. (lm)



