Die RWE Gas Storage West GmbH und der bayerische Organic-Flow-Batterie-Spezialist CMBlu Energy haben gemeinsam Großes vor: Sie wollen Salzkavernen, die RWE derzeit noch zur Gasspeicherung nutzt, zu Tanks für organische Batteriesysteme umrüsten. In den unterirdischen Kammern könnten bis zu einigen GWh Strom aus erneuerbaren Energien gespeichert werden.
Das Prinzip dahinter ist bereits durch Organic-Flow-Batterien im kleineren Maßstab bekannt. Das Besondere an diesem Speichersystem sind die organischen Elektrolytlösungen, die als Energieträger dienen. Die Lösung basiert auf Kohlenstoff, der im Gegensatz zu manchen kritischen Rohstoffen, wie sie für Lithium-Ionen-Batterien benötigt werden, schier unbegrenzt vorhanden ist. Zudem ist ein weiterer großer Bestandteil Wasser, wodurch das Speichersystem nicht brennbar und sicherer als herkömmliche Batterien ist.
Machbarkeitsstudie bereits durchgeführt
Bislang stehen jedoch alle Batteriesysteme, egal ob organisch oder konventionell, vor dem Problem der Skalierbarkeit. So erreichen Lithium-Ionen-Speicher heute ihre Grenze bei etwa 50 MWh. Durch die Salzkavernen-Tanks könnte sich das ändern. Die organische Elektrolytlösung soll laut RWE-Projektbeschreibung in mindestens zwei Kavernen vorgehalten werden. Zum Laden und Entladen der Batterie wird die Flüssigkeit in getrennte Kreisläufe in das oberirdische Stack-System, die eigentliche Batterie, gepumpt. Anschließend setzt das Prinzip der Oxidation und Reduktion zwischen Anode und Kathode ein, wie es von herkömmlichen Batteriesystemen bekannt ist.
Bis das im großen Stil funktioniert, ist es allerdings noch ein weiter Weg für RWE und CMBlu Energy. In einem ersten Schritt wurden in einer theoretischen Machbarkeitsprüfung potenziell geeignete Elektrolyte identifiziert. Diese sollen nun bis Anfang kommenden Jahres für die Anwendung in den Salzkavernen labortechnisch untersucht werden.
Testanlage mit 100 kWp
Nach der Bestimmung eines geeigneten Elektrolyts soll ab Frühjahr 2021 dann mit dem Bau und Betrieb einer Testanlage begonnen werden. Die Anlage soll über eine elektrische Leistung von 100 kWp und über eine Speicherkapazität von bis zu 1000 kWh verfügen. Dieser dritte Projektschritt soll bis Frühling 2024 abgeschlossen sein. (lm)



