Künftig sollen neben PV und Wind auch technologieoffene Innovationen ausgeschrieben werden.

Künftig sollen neben PV und Wind auch technologieoffene Innovationen ausgeschrieben werden.

Bild: © Aris Suwanmalee/AdobeStock

Erst das Sturmtief im Februar, dann die Corona-Krise, das Jahr 2020 hat trotz seiner noch jungen Tage, bereits viele Extreme mit sich gebracht. Auf den Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoinlandsstromverbrauch hat das im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen positive Auswirkungen, wie die Berechnungen des ZSW und BDEW zeigen.

Im ersten Quartal wurden 52 Prozent des Bruttoinlandsverbrauchs durch Erneuerbare gedeckt, was satten sieben Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum entspricht. Auf den „Wind-Rekord“ im Februar folgte der März mit außergewöhnlich vielen Sonnenstunden. Hinzu kam ein Rückgang des Stromverbrauchs um ein Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – eine Folge der Coronakrise.

Verbände mahnen zum Handeln

Doch die Zahlen sind für die Branche nicht unbedingt Grund zur Freude, denn sie stehen in scharfem Konstrast zur Ausbausituation bei Wind an Land und PV. Werden die Hemmnisse und Deckel hier nicht zügig beseitigt, sei das 65-Prozent-Ziel bis 2030 kaum zu erreichen, heißt es vom BDEW und ZSW.

„Die wirtschaftlich schwierige Situation verschärft den Handlungsdruck zusätzlich: Es muss sichergestellt werden, dass weiterhin in den Ausbau der Erneuerbaren investiert wird, damit sie die Energieversorgung von morgen gewährleisten können“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Gerade angesichts des wirtschaftlichen Einbruchs durch die Corona-Krise lohnen sich mehr Investitionen in Erneuerbare Energien“, denn bei der Errichtung von Wind- und Solarparks bleibe im Vergleich zur Nutzung fossiler Energien die Wertschöpfung im Land, ergänzt Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW.

Biomasse zweitstärkste Kraft 2020

Stärkste Kraft bei der Erneuerbaren-Erzeugung ist nach wie vor die Windkraft an Land mit fast 43 Mrd. kWh, gefolgt von Biomasse mit 11 Mrd. kWh. Wind-Offshore erzeugte 9 Mrd. kWh, während PV mit 7 Mrd. kWH zum Strommix beitrug. Den letzten Platz machte die Wasserkraft mit 5 Mrd. kWH. Insgesamt wurden 77 Mrd. kWh von 158 Mrd. kWh des Stromverbrauchs im ersten Quartal aus regenerativen Quellen gedeckt.

Auch wenn die Zukunft der Energiewende derzeit unter schwierigen politischen Vorzeichen steht und die Unsicherheit in der Branche groß ist, kratzt Deutschland bereits an dem mit der EU vereinbarten Erneuerbarenziel von 18 Prozent für 2020. So lag der Anteil der Erneuerbaren laut BMWi am gesamten Bruttoendenergieverbrauch im vergangenen Jahr bei etwa 17,1 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 16,5 Prozent.

Green Deal als Chance

Die  Prognosen des Umweltbundesamtes gehen davon aus, dass die derzeitige Lücke von nicht einmal einem Prozent bis Ende des Jahres noch geschlossen werden kann. Peter Altmaier ist sich aber auch bewusst, dass durchaus Handlungsbedarf besteht:  „Das EU-Erneuerbaren-Ziel von 18 Prozent im Jahr 2020 ist greifbar. Wir müssen jetzt daran arbeiten, dass wir die Ziele nachhaltig erreichen und den Anteil erneuerbarer Energien weiter ausbauen. Der europäische Green Deal eröffnet wirtschaftspolitische Chancen. Diese Chancen müssen wir nutzen.“ (ls)

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