Wenig Wind trug dazu bei, dass die Strompreise weiter nach oben kletterten.

Wenig Wind trug dazu bei, dass die Strompreise weiter nach oben kletterten.

Bild: © Julian Stratenschulte/dpa

Wehe dem, der sich noch nicht genug für das kommende Jahr eingedeckt hat und die abgelaufene Woche zukaufen musste. Der wurde mit neuen Rekordpreisen konfrontiert. So schoss der Basekontrakt für das Kalenderjahr 2023 an der Energiebörse EEX auf 260 Euro pro MWh. Am Freitag fiel der Preis wieder etwas.

Die Preisrallye zeigt, dass die von Wirtschaftsminister Robert Habeck ausgerufene "Gaskrise" auch erhebliche Auswirkungen auf den Strommarkt hat. Je mehr Gaskraftwerke einspringen müssen, um Strom zu produzieren, desto mehr schlagen die in schwindelerregende Höhen gestiegenen Gaspreise auch hier durch – und das längst nicht mehr nur am kurzen Ende der Terminkurve.

Hohe CO2-Preise

Zuletzt kostete Gas auch für das Kalenderjahr 2023 (Cal-23) fast 100 Euro pro MWh. Zum Vergleich: Kurz vor Kriegsbeginn in der Ukraine war Gas am Handelspunkt TTF für den entsprechenden Zeitraum noch halb so teuer gewesen. Allein in der vergangenen Woche ging der Cal-23-Preis um ein Viertel nach oben.

Hoch bleiben weiterhin die CO2-Preise. Sie notierten zuletzt zwischen 80 und 90 Euro pro MWh. Preisstützend wirkte dabei die Entscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums, am Strommarkt verstärkt auf Kohlekraftwerke zu setzen, um Gas zu sparen.

Österreich reaktiviert Kohlekraftwerk

Auch andere europäische Länder setzen auf einen temporären Brennstoffwechsel hin zu Kohle. So kündigte die österreichische Bundesregierung an, das 2020 vom Netz genommene Kohlekraftwerk in Mellach (Steiermark) zu reaktivieren.

Schon jetzt machen die extrem hohen Rohstoffkosten für Gas die Kohleverstromung attraktiver. So trugen allein Steinkohlekraftwerke laut Energy-Charts in der abgelaufenen Woche elf Prozent zum deutschen Strommix bei – ein ungewöhnlicher hoher Wert. Steinkohle verursacht bei der Stromproduktion in etwa doppelt so viele CO2-Emissionen wie Gas.

Große Erneuerbaren-Lücke

Befeuert wurde die Preisrallye in der abgelaufenen Woche zudem vom schwachen Windstromertrag. Windkraftanlagen steuerten bis Freitagnachmittag gerade einmal 13 Prozent zum deutschen Strommix bei. Damit schwang sich die Braunkohle mit 23 Prozent zum wichtigsten Energieträger auf.

Wie groß die Erneuerbaren-Lücke mitunter war, zeigt sich daran, wie viele Erdgaskraftwerke trotz extrem hoher Produktionskosten einsprangen und Strom produzierten. Ihr Anteil am Strommix in der abgelaufenen Woche bis Freitagnachmittag: 14 Prozent – ein außerordentlich hoher Wert für diese Jahreszeit. (aba)

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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