Wie verlässlich ist das europäische Stromnetz? Zumindest für den Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft war eine Störung am Freitag "besorgniserregend".

Wie verlässlich ist das europäische Stromnetz? Zumindest für den Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft war eine Störung am Freitag "besorgniserregend".

Bild: © Sebastian Gollnow/dpa

Der Verband der Industriellen Energie und Kraftwirtschaft (VIK) ist nach einer Störung im europäischen Stromnetz, die Freitagnachmittag etwa eine Stunde andauerte, besorgt. Dabei kam es nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber zu einer zeitweiligen Abtrennung der Region Südosteuropa (darunter Griechenland, Serbien und Kroatien), was zu einer kurzfristigen Frequenzabweichung von etwa 250 Millihertz führte.

Der Vorfall sei nicht der erste seiner Art, stellt Geschäftsführer Christian Seyfert fest. Er müsse allen eine Warnung sein, das Thema Netzstabilität und Versorgungssicherheit nicht aus dem Blick zu verlieren.

Klare Worte des VIK-Geschäftsführers

Die Überschrift der entsprechenden Pressemitteilung liest sich sogar noch alarmierender: "Versorgungssicherheit der Industrie in Europa ist gefährdet", steht da. Doch ist die Lage wirklich so dramatisch?

Seyfert findet klare Worte. Deutschland könne nicht davon ausgehen, dass es schon irgendwie aus dem europäischen Ausland versorgt werde, sollte es zu Hause nicht ausreichend Strom geben, mahnt er. Hintergrund dürfte die vorangetriebene deutsche Energiewende sein, im Zuge derer immer mehr erneuerbare, wetterabhängige Energiequellen konventionelle Energieträger ablösen sollen.

"'Prinzip' Hoffnung reicht nicht"

Durch den Ausstieg aus Kernenergie und Kohlekraft in Deutschland werde in den kommenden Jahren sogenannte gesicherte Leistung durch konventionelle Energieerzeugung in erheblichem Umfang ersatzlos stillgelegt, führt Seyfert aus. Was, wenn dann erhebliche Schwankungen im europäischen Hochspannungsnetz auftreten, wie am Freitag geschehen?

"Das 'Prinzip Hoffnung' reicht nicht aus", warnt der VIK-Geschäftsführer. "Eine preiswerte, klimafreundliche, aber eben auch sichere Stromversorgung ist gerade für im internationalen Wettbewerb stehende Industrieunternehmen ein entscheidender Standortfaktor."

"Sicherungsmechanismen haben gegriffen"

Seyfert erwähnt den November 2006. Damals habe die Abschaltung zweier Leitungen in Deutschland einen umfassenden Blackout in Westeuropa verursacht. Etwa zehn Millionen Haushalte seien plötzlich ohne Strom gewesen.

So weit ist es am Freitag jedoch nicht gekommen. "Die Sicherhungsmechanismen haben gegriffen", betont die Bundesnetzagentur. "Die Versorgungssicherheit in Deutschland war nicht gefährdet."

APG beschwichtigt

Anders als die österreichische APG mussten die deutschen Übertragungsnetzbetreiber auch nicht eingreifen, um einen Blackout zu verhindern. Hierzulande sei es zu keinen Beeinträchtigungen im Übertragungsnetz gekommen, teilt die Bundesnetzagentur mit.

Und auch die APG beruhigt. Die europaweit etablierten Schutzmechanismen hätten funktioniert. Dank der umgehenden und abgestimmten Zusammenarbeit der Übertragungsnetzbetreiber habe der Normalbetrieb für ganz Europa bereits innerhalb von etwa einer Stunde wieder hergestellt werden können.

Untersuchung des Vorfalls

Dessen ungeachtet will der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber Entso-E den Vorfall intensiv untersuchen. Bis er die Ergebnisse präsentiert, könnten einige Wochen vergehen. (ab)

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