Damit auch nach dem Herunterfahren der Atomkraftwerke in Süddeutschland die Regionen südlich der Mainlinie ausreichend mit Strom versorgt werden, braucht es eine gute Anbindung über Netze, die den im Norden üppig produzierten Strom gen Süden leiten.

Damit auch nach dem Herunterfahren der Atomkraftwerke in Süddeutschland die Regionen südlich der Mainlinie ausreichend mit Strom versorgt werden, braucht es eine gute Anbindung über Netze, die den im Norden üppig produzierten Strom gen Süden leiten.

Bild: © Michael Raubold/Amprion

Süddeutschland wird einer Studie zufolge wegen des Atom- und Kohleausstiegs in den nächsten Jahren verstärkt auf Strom aus Norddeutschland und dem Ausland angewiesen sein. "Bis 2025 ist die Stromversorgung gewährleistet", sagte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) in einer Mitteilung. Zugleich betonte er: "Für die Zeit danach müssen wir schon heute den Ausbau der Netze und der Erneuerbaren weiter vorantreiben." Die am Donnerstag veröffentlichte Studie hat die Versorgungssicherheit südlich der Mainlinie untersucht – also für Baden-Württemberg, Bayern, Saarland, den Süden von Rheinland-Pfalz und Südhessen.

Die Vorschläge der Kohlekommission sind in der Studie zwar noch nicht berücksichtigt. Untersteller geht aber davon aus, dass auch bei einem beschleunigten Kohleausstieg keine akuten Stromengpässe drohen. "Im Hinblick auf die Leistungsbilanz in Deutschland erscheint damit auch bei dem angenommenen beschleunigten Ausstieg aus der Kohleerzeugung die Versorgungssituation unter den gegebenen Voraussetzungen in 2025 noch beherrschbar", heißt es dazu in der Studie.

Auf Importe angewiesen – doch von woher?

Allerdings sei Deutschland dann in deutlichem Umfang auf Importe aus Nachbarländern angewiesen. "Ob die Nachbarländer die von Deutschland benötigten Erzeugungsleistungen zur Verfügung stellen können und werden, wurde in der Untersuchung nicht überprüft", heißt es darin weiter. Insgesamt beurteilt die Studie die Versorgungssituation optimistischer als Vorgängerstudien. Dies vor allem deshalb, weil insbesondere in Frankreich und in Polen Kern- und Kohlekraftwerke länger laufen als geplant.

Die Studie zeige auch, so Untersteller, dass mit einem verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien im Land Kapazitätslücken in der Stromversorgung entgegengewirkt werden könnte. Es seien aber verschiedene Reserveinstrumente nötig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Atomkraft wird heruntergefahren

Der Atomausstieg wurde nach dem Reaktorunglück von Fukushima im Frühjahr 2011 beschlossen, mit der Kohleverstromung soll nach einem Konzept der Kohlekommission der Bundesregierung bis spätestens 2038 Schluss sein. Im Gegenzug werden Ökoenergien und Speicher ausgebaut. In Baden-Württemberg sind die beiden älteren Atommeiler Neckarwestheim und Philippsburg schon im Rückbau. Im Block 2 in Philippsburg endet die Stromproduktion spätestens Ende 2019, in Neckarwestheim II spätestens Ende 2022.

Die Studie "Versorgungssicherheit in Süddeutschland bis 2025 – sichere Nachfragedeckung auch in Extremsituationen?" ist eine Fortschreibung bestehender Untersuchungen. Im Auftrag des Ministeriums bewerteten das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (IFK) der Universität Stuttgart die Versorgungssicherheit – jeweils für den Fall, dass konventionelle Kraftwerke nach ihrer erwarteten Lebensdauer stillgelegt werden und für den Fall eines beschleunigten Kohleausstiegs. Die Studie "Versorgungssicherheit in Süddeutschland bis 2025 – sichere Nachfragedeckung auch in Extremsituationen?" ist auf der Internetseite des Umweltministeriums Baden-Württemberg eingestellt. (dpa/al)

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