Mit dem neuen Beschaffungsportal SWS Connect will die Kooperation Südweststrom Stadtwerken ein digitales Werkzeug für zentrale energiewirtschaftliche Prozesse an die Hand geben. Mit der kürzlich freigeschalteten Plattform können Kommunalversorger auch zu sekundenscharfen, untertägigen Marktpreisen und in 1-kW-Schritten ihre Energiemengen kaufen. "SWS-Connect bietet eine grafische und interaktive Übersicht auf das Portfolio, das aktuelle Marktgeschehen und lässt einfach über Beschaffungen entscheiden. Endlich können sich auch kleine und mittelgroße Stadtwerke in energiewirtschaftlichen Kernprozessen von Excel, PDF und E-Mail trennen", erklärt Projektleiter Patrick Kruppa.
Über SWS-Connect können Energieversorger zudem ihre Erzeugungsanlagen preisorientiert steuern und jederzeit den Betriebszustand einsehen: Fahrpläne, Speicher-Hochrechnungen, Messwerte und Absatzmengen gehören zu den Kennzahlen. "Jedes Stadtwerk kann frei darüber entscheiden, wann, wie und bei wem es beschafft. Gleichzeitig haben wir in dem Portal jederzeit und sehr detailliert den Überblick auf unser gesamtes Portfolio", betont Simon Schumschal, Leiter Produkt- und Portfoliomanagement bei den Stadtwerken Fellbach. Der Kommunalversorger arbeitet bereits mit SWS Connect.
Weiterentwicklung geplant
An einer Weiterentwicklung des Portals wird bereits gearbeitet: Das mittelfristige Ziel ist es, dort alle wesentlichen Teilprozesse entlang der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette abzubilden. Perspektivisch werden beispielsweise auch die Angebotsprozesse für Großkunden integriert sein. Daran arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Programmierern, Mitarbeitern aus dem Erzeugungs- und Portfoliomanagement sowie aus dem Fahrplan- und Bilanzkreismanagement. In allen Projektphasen beziehe das Team zudem die Ideen und Wünsche der Nutzer bei den Stadtwerken ein, heißt es.
Die Stadtwerke-Kooperation ist seit Anfang des Jahres auch strukturell auf die verstärkte Automatisierung von energiewirtschaftlichen Prozessen ausgerichtet: Südweststrom hat für die Erweiterung von SWS-Connect und weitere Entwicklungen eine Stabsstelle Strategische Software-Entwicklung geschaffen, die direkt dem Geschäftsführer Daniel Henne unterstellt ist.
Solider Jahresabschluss
Das Geschäftsjahr 2018 hat das Unternehmen erfolgreich abgeschlossen. Die Umsatzerlöse konnten deutlich von 728 Mio. Euro im Vorjahr auf 829 Mio. Euro gesteigert werden. Der Umsatz ist geprägt von der Strom- und Erdgas-Beschaffung für 140 Energieversorger und davon, wie sich die Großhandelspreise entwickeln. Die Dienstleistungserlöse blieben mit 10,7 Mio. Euro etwa zwei Prozent unter denen im Vorjahr (10,9 Millionen Euro): Die warme Witterung zu Beginn des Geschäftsjahres führte zu niedrigeren Dienstleistungserlösen im Erdgas-Portfolio-Pool. Alle anderen Dienstleistungssparten legten saldiert um 106.000 Euro zu. Das Unternehmen machte einen Gewinn vor Steuern von 2,6 Millionen Euro – wie schon im Geschäftsjahr 2017.
"Wir haben 2018 die Weichen gestellt für eine ganze Reihe von neuen Dienstleistungen: Wir wollen für Stadtwerke die neue Marktkommunikation zu einem Erfolgsthema machen – beispielsweise mit der Gründung einer kommunalen Gesellschaft, die alle Aufgaben des grundzuständigen Messstellenbetreibers bündelt", erklärte Geschäftsführer Daniel Henne. Im Geschäftsjahr 2018 hat die Stadtwerke-Kooperation einige Lösungen für regulatorische Neuerungen entwickelt. Dazu zählen beispielsweise Dienstleistungen, damit Stadtwerke die Vorgaben der Marktkommunikation 2020 erfüllen können.
Verlustzeitreihe: Vereinfachtes Verfahren
Außerdem hat Südweststrom ein Verfahren entwickelt, um Stadtwerken die Beschaffung der Verlustzeitreihe so einfach wie möglich zu machen. So können Stadtwerke mit einer einzigen Order die Verlustzeitreihe für die Jahre 2021 bis 2023 beschaffen. Die Netzbetreiber erfüllen mit diesem Verfahren das von der Bundesnetzagentur vorgegebene Preisbildungsverfahren auf Basis der dritten Anreizregulierungsperiode. In den nächsten Monaten werden konkrete Angebote für den intelligenten Messstellenbetrieb folgen.
Gesellschafter erhalten Verzinsung von fast 6 Prozent
"Auch 20 Jahre nach der Gründung von Südweststrom gibt es einen Erfindergeist in diesem Unternehmen. Für mich ist Südweststrom ein wichtiger Rückhalt für Stadtwerke – gerade bei komplexen Themen wie der Marktkommunikation und Beschaffungsprozessen", kommentierte Stefan Kleck, Aufsichtsratsvorsitzender von Südweststrom und Geschäftsführer der Stadtwerke Bretten. Die 59 Gesellschafter erhalten eine Ausschüttung von 5,94 Prozent auf ihr Stammkapital. Insgesamt werden so fast eine Million Euro an kleine und mittlere Stadtwerke ausgeschüttet. Die Beschaffungskooperation aus Tübingen feierte Anfang Juli ihr 20-jähriges Jubiläum mit ihren Gesellschaftern und Kunden. (hoe)
