Als die Stadtwerke München (SWM) Ende 2019 ihr neuestes Produkt ankündigten, da schienen sie sich ihrer Sache noch nicht ganz sicher zu sein. Bis zu 240 sogenannte Sonnenbausteine wollten sie für die Neuinstallation einer neuen Photovoltaik-Anlage ausgeben — an Bürger im Stadtgebiet, die bereit waren, dafür zwischen 500 und 5000 Euro zu investieren.
Doch was, wenn sich gar nicht so viele Interessenten finden würden? Auch dafür hatten die SWM vorgesorgt. Dann würden sie die restliche Summe einfach selbst aufwenden und so das erste Sonnenbausteine-Projekt Perlach verwirklichen. (Die ZfK berichtete.)
Ein Jahr später steht fest: SWM-Finanzspritzen waren nicht nötig. Interessenten gibt es mehr als genug.
In der ersten Runde waren nach nicht einmal drei Tagen alle Bausteine verkauft. In der zweiten dauerte es dann kaum mehr als eine halbe Stunde, bis die Anteile für die beiden weiteren Sonnenbausteine-Projekte Trudering und Perlach II vergriffen waren. (Die ZfK berichtete.)
Manuel Welte ist Originator und Product Owner des Projekts. Im Interview mit der ZfK erzählt er, wie viele Neukunden seine Stadtwerke anwerben konnten — und was die Lokalpolitik vom SWM-Produkt hält.
Die SWM-Sonnenbausteine sind begehrt: Hunderte Kunden stehen auf der Warteliste für die nächsten Projekte. Wie sehen die typischen Kunden aus?
92 Prozent der Münchner haben keinen Zugang zu Solaranlagen, da sie zum Beispiel in einer Miet- oder Eigentumswohnung leben. Für die ist genau diese Beteiligung interessant. Sie wollen einen Bezug zur regionalen Energiewende herstellen und Energie aus einer erneuerbaren Anlage vor Ort beziehen und gleichzeitig auch an der Wertschöpfung mitverdienen.
Die meisten wollen die Energiewende aktiv mitgestalten. Drei Viertel dieser Kunden schließen deshalb zusätzlich einen Sonnenstromtarif ab. Der Sonnenstrom kommt dabei überwiegend aus den Sonnenbausteinanlagen, nachgewiesen durch die Regionalnachweise des Umweltbundesamtes. Wir können allerdings nicht garantieren, dass er genau aus der Anlage kommt, in die investiert wurde. Es gibt natürlich auch reine Renditejäger, aber das ist eine Minderheit.
Wie viele Kunden gibt es aktuell?
Es sind knapp 100, über drei Projekte verteilt. Das liegt am bisher noch begrenzten Angebot. Die meisten sind SWM-Kunden, wir haben in München allerdings auch eine sehr hohe Marktabdeckung. Rund 20 Prozent sind Neukunden.
Wie stark profitieren die SWM von dem Produkt mit Blick auf die langfristige Kundenbindung und die Identifikation mit der Energiewende in München?
Die SWM haben eine sehr treue Kundschaft. Wir gehen davon aus, dass die Kunden langfristig im Sonnenstromtarif bleiben werden. Insofern macht dieses Angebot aus unserer Sicht das Bild der SWM beim Bürger komplett. Das ist ein sehr guter Kanal, um unser Engagement für die Energiewende regional sichtbar zu machen und die Bürger miteinzubeziehen.
Wie reagiert die Lokalpolitik? Aus manchen Gruppierungen ist ja die Kritik zu hören, die Münchner Energiewende finde im Ausland statt und nicht vor Ort.
Die Sonnenbausteine sind ein gutes Instrument, mit dem wir das Thema Energiewende vor Ort weiterdrehen können. Jetzt können wir sagen: Gebt uns die entsprechenden Dächer, dann machen wir München grüner, wir haben hier ein passendes Produkt für München. Die Solarbausteine stoßen in der Münchner Lokalpolitik auf eine sehr positive Resonanz.
Wie äußert sich das konkret?
Der Bezirksausschuss Berg am Laim will beispielsweise in Zukunft alle Bauträger auf die mögliche Installation von Photovoltaik oder Solarthermie hinweisen. Wenn die Bauträger das nicht selber machen können oder wollen, wird empfohlen, dies über die M-Solar Sonnenbausteine zu realisieren. Darüber hinaus soll das Thema in allen Bezirksausschüssen in München diskutiert werden. Der Stadtrat hat ja zudem im Rahmen des Ausrufs des Klimanotstands beschlossen, dass auf allen stadteigenen Liegenschaften PV-Dachanlagen errichtet werden müssen, soweit dies rechtlich, technisch und nutzungsbedingt möglich ist. (ab)
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Einen ausführlichen Artikel über die Lehren des Münchener Sonnenbaustein-Projekts für andere Stadtwerke lesen Sie in der Dezember-Ausgabe der ZfK, die am kommenden Montag erscheint.



